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Vaterschaftsurlaub

Passend zu meinem letzen Blogeintrag hat die Zeitschrift Beobachter Nr. 9 vom 26. April 2019 einen guten Artikel über Vaterschaftsurlaub veröffentlicht. Dieser Artikel zeigt nicht nur anschaulich, dass die Schweiz im europäischen Vergleich zum Thema Familie und Arbeit ein Entwicklungsland ist, sondern auch, dass sich diesbezüglich in den nächsten Jahren wohl nur schwerlich etwas ändern wird. Sind doch die Gegner von einem rechtlich verankerten Vaterschaftsurlaub, Familienzeit und längerem Mutterschaftsurlaub zahlreich in politischen Ämtern vertreten... 

 

Naja das wundert nicht, denn rund 71% der Parlamentarier sind Männer, die Karriere machten, während ihre Frauen zu Hause den Haushalt besorgten und die Kinder grosszogen. (Zitat Beobachter Nr. 9) 

 

Doch dieses Modell ist heutzutage nicht für die ganze Bevölkerung das Beste - deshalb ist es dringend an der Zeit, den Grundstein zu legen, damit jungen Familien die Möglichkeiten offen stehen, die für die jeweilige frischgebackene Familie die Beste ist, und nicht die, die unsere Parlamentarier als Beste erachten. 

 

Ein Gegenargument zu einem gesetzlich geregelten Vaterschaftsurlaub sei, so heisst es im Artikel, dass sich das viele KMU nicht leisten könnten. Und das zweite Gegenargument ist, dass ein über die EO finanzierter Vaterschaftsurlaub zu teuer wäre. (CHF 420 Millionen für 20 Tage) Doch vielleicht braucht es hier endlich mal ein Umdenken!! Zieht endlich eure Scheuklappen ab und schaut neutral und sachlich auf die Tatsachen!! 

 

Aus Wikipedia: 

 

„Die schweizerische Erwerbsersatzordnung (EO) kompensiert den Verdienstausfall von Militär-, Zivilschutz- oder Zivildienst leistenden Personen. Diese Versicherung wurde während des Zweiten Weltkriegs eingeführt und hiess damals noch Wehrmannsschutz. Die ausbezahlten Beträge richten sich nach dem Einkommen, es werden jedoch mindestens 62 Franken pro Diensttag bezahlt.

Seit dem 1. Juli 2005 kommt der Erwerbsersatz berufstätiger Frauen beim Mutterschaftsurlaub dazu.“

 

So - wenn man nun also beim Militär genauer hinschauen würde, könnte man bestimmt viiieeel Geld sparen!! Man müsste natürlich allerdings Gelder umschiften - zu Gunsten der EO und einem Vaterschaftsurlaub. 

 

Wie viele Tage und Nächte sinnloser und langweiliger WK-Tage, zermürbender Aufgaben, unendliche Wache schieben, etc. haben Armeeangehörige schon absolviert? Würde man solche Tage restlos streichen (was ganz nebenbei zu weniger Frust und anderen negativen Gefühlen bei den Armeeangehörigen führen würde) und die EO hochrechnen, käme man bestimmt auf mehrere Millionen Franken, die man in einen viel sinnvolleren Vaterschaftsurlaub fliessen lassen könnte.... 

 

Wieviele Schusspatronen werden sinnlos an einem Übungstraining verschossen, bloss weil man das Kontingent erhalten hat, und das Risiko nicht eingehen möchte, beim nächsten Mal weniger Patronen zu bekommen? 

 

Wieviele Musikinstrumente werden schlecht behandelt, bloss weil sie vom Militär (also von uns Steuerzahler) finanziert werden? 

 

Und den Vogel abgeschossen hat die Armee mit einem Paket, das gestern geliefert wurde - von der Armee - mind. 2 kg schwer. Als mein Mann den Karton am Abend öffnete kamen zig Landkarten von der Schweiz zum Vorschein. Die gesamte Schweiz, einzelne Kantone, Regionen bis hin zu Spezialkarten von einzelnen Ortschaften wie Arbon, Bergün oder Bulle. Im Begleitschreiben heisst es, dass alle Kaderangehörigen und Inhaber einer Spezialfunktion dieses Paket erhalten und dass es ab sofort zu ihrem Pflicht-Material gehöre. Wieviele Armeeangehörige wohl ein solches Paket erhalten? Es müssen Hunderte sein!!! 

 

Ich muss nicht erwähnen, dass dieses Paket meinen Blog-Artikel gerade noch zusätzlich befeuert! Es liegt auf der Hand, dass wenn die Armee mehrere tausend Karten bestellt, diese günstiger erhält, als wenn ich eine einzeln im Buchhandel kaufen würde. Auch die Kosten für den Postversand für dieses schwere Paket sind bestimmt günstiger ausgefallen als der Normaltarif. Doch dies ist bloss ein Tropfen auf den heissen Stein. 

 

Da frage ich mich, warum wird nicht erst abgeklärt, WER wirklich all diese Karten für seine Tätigkeit im Militär BRAUCHT? Sprich warum werden sie nicht selektiv verteilt? Und WER BRAUCHT überhaupt noch Karten in Papierform - in der heutigen digitalisierten Welt!!???

 

Was machen die beglückten Armeeangehörigen mit all den Landkarten jetzt? Ich gehe davon aus, dass der grösste Teil der Begünstigten dasselbe tun werden, wie mein Mann. Mein Mann ist Fachoffizier bei der Flugplatz-Feuerwehr, und braucht in keiner seiner Funktionen auch nur eine dieser Karten - erst recht nicht im Zeitalter von Digitalisierung und GPS! Die Karten werden im Versandkarton aus Pflichtgefühl irgendwo eingelagert. Eine Karte wird vielleicht im privaten Gebrauch ab und zu benutzt. Irgendwann kommen sie dann zum Zeughaus oder in den Müll... 

 

Wäre es nun nicht viel viel sinnvoller gewesen all diese Steuergelder in einen Vaterschaftsurlaub zu investieren? Dafür würde ich liebend gern Steuern zahlen. Doch für dieses Karten-Paket zahle ich ungern Steuern... 

 

Da gäbe es bestimmt noch zig andere haarsträubende Beispiele, die Militärangehörige erzählen könnten. 

 

 

Dies zu analysieren, umzudenken und umzustrukturieren ist allerdings Aufgabe von unseren Politikern und Armeechefs. Ist es einfacher so weiter zu machen wie bisher? Braucht es zu viel Ressourcen, die bisherigen Abläufe und Sachverhalte zu hinterfragen und gegebenenfalls neu zu organisieren? oder fehlt schlicht der Mut? Vor was hat Mann Angst????