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Hochsensible Konflikte

Die meisten hochsensiblen Menschen nehmen Dinge wahr, die anderen verborgen bleiben. So zum Beispiel Stimmungen anderer Leute, über die sich diese gar nicht bewusst sind. Sie nehmen Frequenzen zwischen den Zwischenfrequenzen wahr. Nur eine kleine Nuance in der Stimmung oder in der Mimik und Gestik - ein Stimmungsumschwung kann für einen hochsensiblen Menschen wie ein Gewitter wirken. Und das kann manchmal sehr belastend und unangenehm sein. 

 

Mich stresst dann eine solche Situation besonders wenn diese Stimmungen durch mich, durch meine Anwesenheit hervorgerufen werden. Dann habe ich das Gefühl, dass mein ganzes Dasein in Frage steht, alles wofür ich stehe, einfach ICH komplett. Und das kann sehr kränkend und verletzend sein. Auch wenn mein Gegenüber womöglich gar nichts dergleichen gedacht hat. 

 

Und auch stresst es mich, wenn ich merke, dass mein Sohn etwas wahrnimmt und es nicht verarbeiten kann, es nicht zuordnen kann. Dann hat er Alpträume in der Nacht. Körperliche Beschwerden, klare Zeichen….

 

Mein Sohn nimmt dann Spannungen wahr, die zwischen Erwachsenen vorherrschen, aber nicht an- oder ausgesprochen werden. Er spürt das Unausgesprochene, die Anspannungen, das Unwohlsein, das „Vorsichtig-sein“, das „Nicht-ganz-sich-selbst-sein-können“, das „Aufpassen-nichts-Falsches-zu-sagen“, das „sich-beherrschen“, das „Etwas-unter-den-Teppich-kehren“, alle Ängste, Eifersucht, Neid, Unmut, Missgunst, und vieles mehr. 

 

 

Bloss weil man etwas versucht zu unterdrücken oder von sich weg zu schieben ist das Gefühl, die Emotion oder der Gedanke nicht weg. Ganz im Gegenteil - es schwebt im Raum, es steht im Raum zwischen den Anwesenden. Und Hochsensible können genau das spüren, erfassen - ja manchmal fast greifen... 

 

Wir wissen dann natürlich nicht genau WAS es ist, wir können ja nicht Gedanken lesen, aber wir spüren, dass da etwas zwischen den anwesenden Personen steht, dass sich jemand nicht 100% wohl fühlt. Und das kann eine hochsensible Person besonders stressen.

 

Man spürt natürlich auch Veränderungen ins Positive - aber das stresst dann nicht ;-)

 

Für Hochsensible sind solche Stimmungen und Spannungen dann fast so als würden sie etwas Unsichtbares filmen. Oftmals erfasst ein Hochsensibler / eine Hochsensible all das sofort, kann es dann aber nicht immer einordnen, jemandem zuteilen und überträgt die Stimmungen auf sich selbst. Er/Sie identifiziert sich dann vielleicht sogar mit diesen Stimmungen und macht sich selbst dafür verantwortlich und fühlt sich schuldig. Weil er/sie es dann nicht verarbeiten kann, kommen diese Themen in der Nacht wieder hoch - leider als Alpträume. Besonders bei Kleinkindern ist das ein grosses Thema, weil sie noch nicht alles verstehen können.

 

Ich versuche dann trotzdem mit meinem Sohn darüber zu sprechen und ich versuche ihm zu erklären, was er wahrnimmt. Und vor allem dass das alles nichts mit ihm zu tun hat. Dass es unausgesprochene, verdrängte Gefühle von Erwachsenen sind.

 

Er kann es noch nicht in Worte fassen (weil er die passenden Worte noch nicht alle kennt), sonder für ihn ist es einfach unangenehm und stressig. Manchmal so intensiv, dass er eben Nachts Alpträume hat, Durchfall, Bauchkrämpfe, Hautausschläge - ich denke jeder hochsensible Mensch kennt diese körperlichen Symptome… Dass man auf ein Ereignis sofort und ungefiltert reagiert.

 

 

Was kann man dagegen tun? Bei hochsensiblen Erwachsenen, die ein hochsensibles Kind begleiten, ist es sehr wichtig, aktiv darüber zu sprechen, gemeinsam zu eruieren, was man wahrnimmt und was zu einem selbst gehört und was von jemand anderem kommt. Ich persönlich spreche auch aktiv über meine Gefühle - „das hat mich verletzt, dass sie das getan hat.“ oder „das nervt mich, dass sie nicht über diese Themen sprechen möchte, es nervt mich, dass sie das Thema nicht endgültig klären möchten“.

 

Und vor allem als Erwachsener, oder als älteres Kind hilft es meistens darüber mit der Person, den Personen zu sprechen, die es betrifft. Doch was macht man, wenn man das Wahrgenommene nicht ansprechen kann? Was, wenn man sich auf extrem dünnes Eis begibt, was wenn das Gegenüber partout nicht über diese Gefühle und Themen sprechen möchte? Das ist ja dann so als wollte man als Laie ohne Rettungsleine über ein Seil balancieren, das 10m über Boden hängt. Was wenn sie immer extrem in die Defensive gehen, wenn man sie darauf anspricht? Und gerade für Hochsensible sind solche Gespräche extrem anstrengend und belastend, weil sie auch während dem Gespräch das Unausgesprochene wahrnehmen, realisieren, wenn jemand lügt,...

 

Dann hilft nur Eines - sich aktiv abgrenzen, sich von diesen Menschen zurück ziehen, und sich immer wieder ins Bewusstsein holen, dass dies nicht unsere Schuld ist, wenn jemand nicht über seine Gefühle sprechen kann oder will. Und dass es nicht unsere Schuld ist, wenn wir diese Gefühle wahrnehmen. Dafür können wir nichts… Und oftmals leiden wir Hochsensiblen selbst sehr darunter, dass wir all diese Stimmungen wahrnehmen.

 

Gerade ÖV fahren, Menschenansammlungen, etc. können zu einer Tortour werden.

 

 

 

In diesem Sinne wünsche ich allen Hochsensiblen unter Euch gutes Gelingen im Abgrenzen und allen nicht Hochsensiblen hoffentlich ein besseres Verständnis für uns Hochsensible…

 

Es ist gerade in verkorksten Situationen schön, wenn beide Seiten einen Schritt aufeinander zugehen könnten, anstatt Fäuste in den Taschen zu machen und sich noch mehr in die negativen Gefühle hinein zu steigern....

 

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