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Abfallberge

"Wir haben die Erde nicht von unseren Eltern geerbt – sondern von unseren Kindern geliehen", so ein indianisches Sprichwort.

 

Seit Monaten ist der Abfall in den Weltmeeren in aller Munde. Kleine Plastiksäcke kosten nun plötzlich ein paar Rappen, Detailhändler und Politiker, Naturschützer und Umweltaktivisten scheinen sich diesbezüglich zu engagieren. 

 

Man könnte meinen es werde aktiv etwas gegen Abfall und Littering getan. Gleichzeitig erscheinen viele Artikel über skandalös arbeitende Firmen aus der Abfallbranche.

 

Da scheint mir ein mal mehr Wischiwaschi - Politik betrieben zu werden. Kommt dazu dass man mit der Message "die Weltmeere sind verschmutzt" suggeriert, das Fleckchen Erde namens Schweiz sei das sauberste auf der ganzen Welt. Hier gibt es das Problem „Abfall“ nicht.

 

Indem man nun die Plasticksäckli in den Läden für 5 Rappen kaufen muss, bin ich solidarisch und helfe dem Rest der Welt etwas sauberer zu werden. Ich weiss nicht ob ich mich verarscht fühlen soll, oder ob dies lediglich dazu dient, das eigene Gewissen derjenigen, die dies kommunizieren, zu beruhigen?

 

Gleichzeitig finde ich es immer erstaunlich, wie viel Verpackungsmaterial gewisse Produkte offensichtlich brauchen. Brauchen Lebensmittel, Kleider, Spielsachen (!!) so viel Verpackung? Gerade Spielsachen sind ein krasses Beispiel. Eine riesen Kartonschachtel, darin sind die Einzelteile nochmals separat in mehrere Plastiksäcke verpackt. Plastiksäcke in den Plastiksäcken... Wahnsinn!! Warum also der Plastiksack an der Kasse nun 5 Rappen kostet, während alle anderen handelsüblichen Produkte in Plastik schwimmen - das ist mir ein Rätsel!!?? Naja es ist ein Anfang....

 

Der Handel und die Produzenten täten viel mehr für Umwelt und eine ökologischere Abfallpolitik, indem sie bei den Verpackungen schlanker fahren würden!! Braucht wirklich jedes Produkt all den Plastik, den Karton und andere Hüllen um hygienisch und sicher verkauft werden zu können??!! Nein natürlich nicht. Aber Verpackungsmaterial ist ein lukrativer Wirtschaftszweig... und diese Aktion mit den Plastiksäcken an der Kasse, die nun berappt werden müssen bloss eine Alibiübung? 

 

 

 

Doch sind wir ehrlich, die Verschmutzung der Meere ist nicht erst seit einem Jahr ein Problem. Vor Jahren, als ich unter anderem die Südsee mit Rucksack bereiste, wurde ich Zeugin von Booten, die vollbepackt mit Abfall aufs Meer hinaus fuhren. An einem scheinbar geeigneten Ort wurde dann all der Müll über Bord gekippt - bei Nacht oder in der Dämmerung natürlich... Dummerweise schwemmte es ein, zwei Tage später den festen Abfall an den schönen weissen Sandstränden wieder an und jemand musste ihn erneut einsammeln, damit all die Touristen nichts davon mitbekamen. Doch was an chemischen und krankmachenden Substanzen im Meer verblieb, das interessierte niemanden. Und von den vielen - für die Meeresbiologie schädlichen Produkte wie bsp. Sonnencremes, die Rückstände im Wasser hinterlassen und sich absetzten, davon spricht auch niemand!!

 

 

Wenn wir ehrlich mit uns selber wären und die Augen öffnen würden, müssten wir mit Schrecken feststellen, dass unser sauberstes Fleckchen der Welt gar nicht so sauber ist. Denn jeder der regelmässig spazieren geht, sieht früher oder später Abfall am Boden liegen. Jede die mit offenen Augen unterwegs ist, sieht Abfall überall - Unsere Wälder, Wiesen, Strassenränder, Pausenplätze, Parks, Spielplätze - usw. sind die reinsten Müllhalden. 

 

Nun ist es auch immer schwierig für den eigens produzierten Abfall Verantwortung zu übernehmen. Schliesslich habe ich die Produkte ja nicht in diese Hüllen gepackt. Aber offen kaufen will ich sie dann doch auch nicht, das ist zu unpraktisch!

 

Wer mit ÖV unterwegs ist, kauft sich am Morgen sein Energy Drink, Kaffee und Gipfeli im Shop und entsorgt dann die leere Verpackung elegant im Abfalleimer des Zugs oder des Bahnhofs. Was danach damit passiert ist egal. Wer mit dem Auto unterwegs ist, tja, der muss schon mehr Verantwortung tragen. Wo soll ich jetzt bloss die leere Dose hintun? Ja klar! Ich lass die Scheibe runter und wirf sie in möglichst hohem Bogen raus. - aus den Augen aus dem Sinn... wäre ja auch total mühsam die leere Dose zu Hause aus dem Auto zu entfernen und in eine spezielle Box für Dosen zwischen zu lagern, bevor ich sie dann fachgerecht in einer Recycling-Tonne entsorge, nicht wahr? 

 

Indem ich nun den Plastiksack im Supermarkt bezahlen muss ändert dies nämlich noch nichts an meinem Konsum- und Entsorgungsverhalten. Auch Littering ist damit nicht beseitigt. Ganz im Gegenteil. Diese fünf Rappen tun den wenigsten Menschen so sehr weh, dass sie den Abfall nicht mehr achtlos auf den Boden schmeissen. Vielleicht sammeln sie nun einfach den Abfall im 5-Rappen Sack und werfen dies geballt zu Boden? 

 

Mich stört es, wenn ich im Wald spazieren gehe und überall Abfall sehe. Da kann ich nicht weg schauen und einfach daran vorbei gehen.... Mein persönlicher Beitrag zu einem saubereren Umfeld ist, dass ich beim Spazierengehen allen Abfall auflese und mittrage bis zum nächsten Abfalleimer und ihn dann wegwerfe. (Bekomme ich nun Lohn von der Gemeinde? Nein!) Ich finde es allerdings immer am erstaunlichsten, wie viel Abfall sich rund um einen Abfalleimer finden lässt. Sind die Leute, die die Öffnung des Eimers nicht getroffen haben, zu faul in die Knie zu gehen und ihren Abfall aufzuheben? Bei uns auf dem Spielplatz wurde im letzten Sommer extra ein grosser Container hingestellt, schön eingerahmt von einem Holzzaun - damit alle diejenigen, die dort grillen ihre Abfälle einfach und sauber entsorgen können. Komischerweise ist der Container leer und der Abfall liegt immer noch zerstreut auf dem ganzen Areal auf dem Boden. Zudem ist ein Schlaumeier auf die Idee gekommen, den Zaun um den Container abzufackeln...

 

Von was für einer moralischen Einstellung zeugt dies nun? Zu wenig Respekt? "mir ist alles scheissegal"? "nach mir die Sintflut"? "wir haben ja Gemeindearbeiter, die müssen ja auch etwas zu tun haben"? "Ich bin besser als die"?

 

Zum Thema Abfall lässt sich also auch etwas weiter denken - psychologisch - moralisch - gesellschaftlich. Wenn wir Abfall mit Ballast assoziieren, kommt mir die Redewendung "Ballast abwerfen" in den Sinn. Hilft es uns also, sofort loszulassen und Ballast abzuwerfen, wenn wir den Abfall einfach so auf den Boden schmeissen, anstatt dass wir ihn noch ein paar Meter länger mittragen, um ihn dann respektvoll und sachgerecht zu entsorgen? Was zeigt uns das Verhalten „Littering“ auf psychologischer Ebene? Ist jemandem, der littert, seine Umgebung, seine Umwelt scheissegal? Oder ist es gar ein Zeichen von Protest gegen den Überfluss, Protest gegen die Gesellschaft? Ist es ein Schrei nach Sinn und Inhalt, wenn man die Hülle achtlos zu Boden schmeisst? 

 

Was denkt ihr?