Was hat Husten mit Jobsuche zu tun?

In diesem Jahr leide ich schon zum dritten Mal an Heiserkeit und einem kratzigen, trockenen Reizhusten. Also gehe ich hin und suche im Internet und in ein paar Büchern nach den psychosomatischen Bedeutungen dieser beiden Leiden:

 

<< Bei Heiserkeit hat es mir die Sprache verschlagen, mir fehlen die Worte. Die psychosomatische Bedeutung von Husten ist unter anderem, dass man in den Protest gegangen ist. Dabei wage ich es nicht, den Inhalt meines Widerstandes laut und tatsächlich zu artikulieren. Vielleicht weil man die Harmonie aufrecht erhalten will, vielleicht weil man glaubt, diejenigen Menschen, die es betrifft, könnten mit meinem Widerstand nicht umgehen, man glaubt, man müsse sie schützen. Oder anders herum erscheint mir mein Gegenüber zu stark, zu potent, als dass ich mir Chancen ausrechnen würde. So bleibt mein Widerstand unartikuliert und agiert in mir selbst - als Husten. So will ich der Welt einen husten… Husten ist laut und vernehmlich zu hören. Ich will also Aufmerksamkeit erringen und auf mich hinweisen. Was ich denke, fühle und erfahre steht im Missverhältnis zu meinem Umfeld und meinem Erleben. (Quelle: www.gesundes-bewusstsein.de)>>

 

 

Bei der näheren Recherche in meinem Leben und Betrachtung dieser Sichtweise bemerke ich, dass der Husten immer dann auftauchte, wenn ich mich intensiv um einen Job bemühte und zig Absagen bekam. Erst diese Woche hörte ich im Radio einen Beitrag über eine neue Studie zum Anteil an erwerbstätigen Mütter. Diese Studie hat mich ziemlich geärgert. Naja - natürlich nicht die Studie selbst, sondern die Ignoranz, die damit einher geht. In dieser Studie wird lediglich ein Prozentsatz erfasst, von Frauen, die nach der Niederkunft ihre Arbeit wieder aufnehmen.

 

Ganz viele Faktoren werden dabei natürlich nicht berücksichtigt. Und das ärgert mich. Mich interessiert zum Beispiel, wie viele dieser Mütter ihren Job, den sie vor der Schwangerschaft ausgeübt hatten, behalten können und im besten Fall das Pensum reduzieren können. Des weiteren möchte ich wissen, wie sie die Kinderbetreuung organisieren. Geben diese Mütter ihre Kinder in eine professionelle Institution wie eine Kita oder Tagesfamilien, oder bleiben die Kinder bei Familienmitglieder wie Vater oder Grosseltern? Dies ist insofern ein wichtiger Faktor, weil es um die Finanzierung der Fremdbetreuung geht. Wenn die Kinder von einer professionellen Institution betreut werden, kostet dies eine ganze Stange Geld mehr, als wenn sie von Familienmitgliedern beaufsichtigt werden. Denn die wenigsten Eltern bezahlen ihren Eltern (den Grosseltern der Kinder) einen angemessenen Betrag pro Betreuungstag…. Aber dies kommt natürlich der Schweizer Wirtschaft und Politik zu Gute.

 

Fakt ist, dass es sich diejenigen Familien, die keine Grosseltern in der Nähe haben oder deren Grosseltern nicht hüten können/möchten, oftmals nicht leisten können, die Kinder fremdbetreuen zu lassen. Also ist es für viele Frauen günstiger, zu Hause zu bleiben und selbst für die Kinder zu sorgen, anstatt arbeiten zu gehen und die Kinder fremdbetreuen zu lassen. Kommt dazu, dass eine Frau in Teilzeitarbeit meist weniger verdient, als die Fremdbetreuung für die gleiche Zeit kostet…. Diejenigen Frauen, die einen sehr guten Job ausüben und nach der Niederkunft weiterarbeiten, verdienen auch entsprechend einen hohen Lohn um sich eine Fremdbetreuung leisten zu können. Wann wird dazu eine aufschlussreiche Studie erstellt!!?? 

 

Da kommen wir auch gleich zum nächsten Problem in der Schweizer Arbeitswelt. Es gibt nämlich nach wie vor viel zu wenige Teilzeit - Arbeitsstellen. Und da spreche ich nicht vom Aufbacken der Gipfeli in einer Tankstelle oder vom Gestelle-Auffüllen in einem Supermarkt. Ich spreche von Teilzeitstellen in Kaderpositionen, Führungspositionen, Teilzeitstellen in verantwortungsvollen und spannenden Jobs. Jobs für Frauen, die vor der Mutterschaft einer Tätigkeit nachgegangen sind, die sie - laut Firmen und Arbeitsmarkt - nur zu 100% oder gar nicht ausüben können… Hier braucht es dringend eine Veränderung und ein Umdenken in unserer Wirtschaft und Gesellschaft!!! Firmen sollten dazu gezwungen werden, für Frauen und Männer geistreiche Teilzeitstellen zu schaffen in „Job Sharing“ und anderen Modellen! Wann gibt es dazu eine aufschlussreiche Studie??? 

 

Als ich damals meine Hochzeitseinladung meinem Chef überreichte, war seine erste Reaktion „Wenn ihr dann Kinder bekommt, kannst du nur zu 80% weiter arbeiten oder gar nicht“ - ja dieser Satz stösst mir noch heute - mehr als 6 Jahre später - sauer auf. Es macht mich wütend. Ich huste - ich huste laut. Denn Tatsache ist nämlich, dass ich jetzt für 40 - 60% keine Anstellung finde. In meinem erstgelernten Beruf als Ökonomin bekomme ich bloss Absagen, weil ich entweder überqualifiziert bin für eine Fliessbandarbeit oder weil ich schon zu lange weg vom Fenster bin. In meinem zweiten Beruf als Masseurin verdiene ich zu wenig in der Zeit, in der ich weg von zu Hause bin, als dass sich eine Fremdbetreuung lohnen würde. Was für ein frustrierendes Dilemma! Ich huste - ich huste laut! 

 

Und wie schwierig es ist, wieder zurück in den Arbeitsmarkt zu finden, nachdem man mehrere Jahre ausgesetzt hat, das erfahre nicht nur ich als Mutter, sondern auch andere Menschen, die aufgrund einer Krankheit oder anderen Gegebenheiten, länger arbeitsunfähig waren… Die Anforderungen sind extrem hoch und der Bewerbungsprozess, wie er heute funktioniert, nicht für solche Menschen tauglich. Denn wenn man bloss anhand eines Lebenslaufes und Zeugnissen beurteilt wird, ob man geeignet ist, oder nicht - tja dann kann man bloss verlieren. Denn meistens haben die HR-Leute so viele Bewerbungsdossiers auf dem Tisch, dass sie genügend A-Kandidaten ohne „Auszeit“ finden. Dass man „mit einem Tolggen im Reinheft“ nicht mal zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen wird, das ist schon die erste extrem hohe Hürde! Also liegt es an uns Bewerbern, allen HR-Leuten nachzutelefonieren, um nachzufragen, warum man nicht in die engere Wahl gekommen ist? Und bekommt man dann auch immer die ehrliche, wahre Antwort? So oder so - es ist fast ein Ding der Unmöglichkeit einen Fuss in eine beliebige Tür zu bekommen. Ist man zudem über 50 Jahre alt, dann scheint es hoffnungslos… Für diejenigen, die vom RAV abhängig sind, tja die erfahren dann gleichzeitig auch noch Diskriminierung und Respektlosigkeiten, ganz zu schweigen von dem Druck, genügend Bewerbungen pro Monat zu verschicken. Kein Wunder resignieren da die einen oder andern und geben auf…. Denn diese Spirale ist nicht fördernd und emphatisch, sondern giftig und vernichtend! Wann wird dazu eine Studie erstellt? 

 

Jetzt habe ich meinem Ärger Luft gemacht und das Thema artikuliert. Der Hustenreiz hat aufgehört…. einen geistreichen, spannenden und anspruchsvollen Teilzeit-Job habe ich allerdings noch nicht in Aussicht…