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hochsensibler Alltag

Hochsensible Menschen - insbesondere Kinder reagieren anders in bestimmten Alltagssituationen als Normalsensible. Bei hochsensiblen (HS) Kindern kommt es oft vor, dass ihre Stimmung innerhalb von Sekundenbruchteilen kehrt. Scheinbar aus dem Nichts gibt es einen Wutanfall, Schreianfall, oder Freudenhüpfer, Tränen der Rührung - alles in geballter und viel intensiverer Form als von normalsensiblen Kindern "bekannt". 

 

 

 

Nicht dass normalsensible Kinder nicht auch starke Gefühle empfinden und äussern würden. Natürlich tun sie das. Aber bei HS Kindern sind diese Gefühle noch viel intensiver und überschäumender. Oftmals kommen diese Ausbrüche überraschend, d.h. der Erwachsene hat nicht mitbekommen, dass sich ein Gewitter zusammengebraut hat, dass eine Überreizung oder eine Veränderung beim Kind zu Stress führt.

Zum Beispiel:

 

Mein Sohn und ich sind am Teig rühren für Muffins. Heute probieren wir ein neues Rezept aus. 

 

Die Stimmung ist fröhlich, ein bisschen euphorisch, weil er in ein paar Minuten die Rührschüssel ausschlecken darf. Voller Eifer werden die einzelnen Zutaten in die Schüssel gegeben und kräftig gerührt. 

 

Bis zu dem Zeitpunkt, wo laut Rezept Sauerrahm untergerührt werden muss. Ich gebe die Menge auf den Teig und in dem Moment fängt mein Sohn laut an zu brüllen, zu weinen, um sich zu schlagen - er hat einen Wutanfall. 

 

Ich kapier im ersten Moment gar nicht was los ist, bis er zwischen den Schreikrämpfen brüllt er hätte lieber Zitronenkuchen. Das ist der Kuchen, den wir meistens zusammen backen, weil er den sehr gerne mag und bei dem er alle Zutaten kennt und weiss wie sie hinzugegeben werden müssen. Zum Zitronenkuchen gibt man keine Crème frêche... 

 

Da wird es mir schlagartig klar - ihn hat es total aus dem Konzept gebracht, dass ich Sauerrahm in den Teig gegeben habe. 

 

Ich versuche ihn zu beruhigen und bitte ihn, den Teig doch erst mal zu probieren und versichere ihm, dass er sehr lecker schmeckt. Er verweigert sich, wirft sich zu Boden und brüllt und schreit. 

 

Um meine eigenen Nerven zu schonen und ihm Zeit zu geben sich zu beruhigen, wende ich mich wieder dem Teig zu und fülle ihn langsam in die Formen. Währenddessen steht mein Sohn wieder auf und ich kann wieder mit ihm reden und ihn in den Arm nehmen - ich kann ihn sogar dazu überreden, ein Mini-Tröpfchen des Teigs zu probieren. „Bäähh“ ist seine erste Reaktion. 

 

Doch dann geht er zur Besteck-Schublade, holt einen Suppenlöffel hervor und sagt in Baby-Sprache „Teig schlecken“. 

 

Schlussendlich will er doch noch die Schüssel ausschlecken und kann gar nicht genug davon bekommen. 

 

 

Das ist seine hochsensible Art auf etwas zu reagieren, das er nicht erwartet hat (neue Zutat Sauerrahm) und das ihn komplett aus dem Konzept gebracht hat. 

 

Normalsensible Kinder würden diese neue Zutat wahrscheinlich mit Freude unterrühren und gar nicht registrieren, dass da was anders ist, als beim altbekannten Rezept. Aber HS Kinder haben sich die Zutaten genau gemerkt, auch die Reihenfolge, wie sie in die Schüssel gegeben werden und können (wie in unserem Fall) komplett ausflippen, wenn etwas anders gemacht wird als bisher. Auch die Rührschüssel, die Kelle und die Packungen der Zutaten sind für HS Kinder etwas sehr Wichtiges. Wenn ich eine "falsche" Kelle zur Hand nehme, verweigert sich mein Sohn und will nicht mehr Kuchen backen.

 

Solche Momente erleben wir täglich. Sie gehören zu unseren täglichen Herausforderungen. Meistens kann man als Eltern gelassen darauf reagieren, doch wenn die Nerven schon etwas strapaziert sind, fällt die Reaktion vielleicht etwas genervter aus... besonders weil ich auch hochsensibel bin, können solche Momente, wenn sie gehäuft auftreten (oft in der Woche vor Vollmond - siehe Blogeintrag zum Vollmond), zu Überforderung und Stress führen. Da muss ich bei mir selbst sehr auf einen Ausgleich achten, so dass es mir gut geht und ich die Nerven habe, gelassen zu reagieren... 

 

Mehr zu unserem hochsensiblen Alltag in Kürze.... 

Herzlichst Yvonne

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