Ein mal mehr die selbe Episode vorbei. Konnte wieder keinen Dienst nach Vorschrift machen. Nur arbeiten ohne hinzuhören, mehr zu sehen, mehr zu spüren, ohne zwischen den Zeilen zu lesen. Ich kann’s nicht! Wut. Frust. Trauer. Ein narzisstischster, psychopathischer, egoistischer, dummer und einfältiger Typ, auf dem Chefposten - über mir. Ärgerlich seine Inkompetenz. Mühsam seine Langsamkeit. Nichts rein gar nichts begreift er! Er wiederholt sich dauernd mit mühseligen Geschichten, vergisst aber gleichzeitig die wichtigen Dinge. Macht Versprechen ohne sie zu halten. Lügt einem geradeaus ins Gesicht. Denkt er ernsthaft ich würde dies nicht merken und ihn nicht durchschauen? Macht er diese manipulativen Spiele mit voller Absicht, oder ist er sich dessen nicht mal bewusst?
Aber das Schlimmste an der Sache ist, dass er schlichtweg keine Führungsqualitäten aufweist. Führungsqualitäten, wie „Menschen führen“, „Organisation“, „ein Vorbild sein und als Führer voranschreiten“, „Empathie“ oder „Konsequenz und Verantwortungsbewusstsein für die Firma und sein eigenes Handeln“.
Da liest man immer so schön in Stellenausschreibungen, was ein Bewerber an Qualitäten mit sich bringen sollte. Ich weiss nicht genau was da immer schief läuft? Wissen diese Typen einfach, wie sie den HR-Leuten den Honig um die Lippen schmieren müssen? Oder sind das alles immer bloss leere Floskeln in diesen Inseraten? Oder beides?
Zu 60% wurde ich eingestellt. Nach der ersten Woche arbeite ich bereits 100%. Fühle mich total verarscht.
Versagerin. Fühle mich als Versagerin. Passe nirgendwo rein. Frust. Wut. Hass auf mich selbst.
Gleichzeitig komme ich zum Schluss, dass dieses System und die Arbeitswelt irgendwie in Schieflage geraten sind. Es fehlt an Menschlichkeit, an gesundem Menschenverstand, Empathie, holistischem Verantwortungsbewusstsein, Teamspirit und zu guter letzt an Respekt und Anstand....
Die Mitarbeiter sollen funktionieren wie Maschinen, Befehle ausführen und ja nicht ihr eigenes Hirn einschalten. Sie müssen flexibel sein und immer und jederzeit einspringen können. Sie sollen dann Ferien beziehen, wann der Chef es sagt und sie sollen ja nicht zu viel Engagement zeigen, denn sonst muss sich der Chef noch fürchten, der Mitarbeiter nehme ihm den Posten weg. Gleichzeitig sollen sie fehlerfrei und speditiv ihre Arbeit erledigen. Ein bisschen Klatsch und Tratsch ist erwünscht, vor allem dann, wenn sie die Gerüchte des Chefs fleissig weiter erzählen und so zur Manipulation beitragen.
Beim Lesen des Buches „die fabelhafte Welt der Hochsensiblen und Hochbegabten“ von Corinna Kegel vom Gütersloher Verlagshaus habe ich viele Aha-Effekte. Nicht dass ich dies nicht schon längst wüsste und nicht dass ich es nicht schon längst satt wäre für solche Chefs zu arbeiten. Warum sind so viele solcher Typen auf Chefposten?
Nun gut, offenbar war es von Nöten mir das alles nochmals vor Augen zu führen. Live. Schwarz auf Weiss. Erbärmlich und Traurig, aber nötig!
Denn jetzt weiss ich mit stahlharter Sicherheit, dass ich nie mehr - NIE MEHR WIEDER - in meinem Leben, für so einen Chef oder so eine Firma arbeiten will. Eine Firma, wo ein Klima herrscht kälter als in der Antarktis, wo täglich ein Eissturm über die Ebene fegt. Eine Firma wo man Respekt und Anstand nicht mal zu buchstabieren weiss und wo Manipulation an der Tagesordnung ist. Eine Firma wo Wertschätzung, Teamgeist und Spass solch Fremdwörter wie chinesische Schriftzeichen sind. Nein in so einer Firma werde ich nie wieder arbeiten! Punkt!
Erinnerungsfetzen
Zeichnen, malen, schreiben, handarbeiten - meine Leidenschaften, in denen ich echt gut bin. „Doch damit lässt sich kein Brot verdienen. Aber bist ja ein Mädchen. Wirst mal heiraten und Kinder kriegen und dann ist’s ja eh egal“ sagt mein Grossvater. Ich balle die Faust, sehe ihn trotzig an und verkrieche mich im Schraubengestell. Ich liebe das Schraubengestell. Ich liebe es, die verloren gegangenen Schrauben am Boden einzusammeln, und schön säuberlich wieder in die richtige Schachtel zu versorgen. Wenn ich nicht sicher bin, nehme ich die Schiebelehre und messe die Schraube aus. Meistens weiss ich aber ohne zu messen, wohin die verlorene Schraube gehört. Zurück zu ihrer Familie.
