Denkst du in Bildern oder in Worten?

Wenn man der Dichtung das D stiehlt und durch ein R ersetzt, bekommt sie Richtung. Haiku von Cioran

Bild eve-on (Baumpilz)
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Unsere Denkweise und unser Lernstil ist einzigartig. Manche denken in Bildern, andere in Worten. Bilderdenken nennt man auch divergentes oder räumlich-visuelles Denken und das sprachliche Denken wird sequentielles Denken genannt. Diese Denkstile sind zentral für unsere Informationsverarbeitung. Es sind zwei verschiedene geistige Organisationsformen, die die Art und Weise, wie Menschen die Welt betrachten, beeinflussen. Begabte Menschen weisen oftmals einen visuell-räumlichen Denkstil auf. 

 

Während das sprachliche Denken (linke Hirnhälfte) ein lineares Denken Schritt für Schritt ist, ist das visuelle Denken (rechte Hirnhälfte) ein ganzheitliches System, in dem das ganze Wissen miteinander räumlich verbunden ist. 

 

Wenn Linkshirn-Denkern eine offene Frage gestellt wird, suchen sie nach der richtige Antwort auf der Grundlage der ihnen verfügbaren Tatsachen. Wenn Rechtshirn-Denkern eine offene Frage gestellt wird, antworten sie üblicherweise so etwas wie "kommt darauf an..." Weil ihr ganzes Wissen miteinander verbunden ist, können sie viele Wege zu unterschiedlichen Antworten sehen und wollen mehr Informationen, die ihnen helfen zu entscheiden, welchen Weg sie zur verlangten Antwort einschlagen sollen. Dieses divergente Denken ist das Kennzeichen von Kreativität, aber wird in der Schule und am Arbeitsplatz möglicherweise nicht verstanden. Wo Leistung und Produktivität mit einer richtigen Antwort/Lösung in schnellem Tempo gleichgesetzt wird. 

 

Menschen mit verschiedenen Denkstilen können sich oftmals nicht richtig austauschen und es kommt oft zu Missverständnissen. Deshalb ist es sinnvoll zu verstehen, welchen Denkstil wir anwenden. Im Schulumfeld kann es vorkommen, dass Kinder mit visuell-räumlichem Denk- und Lernstil Schwierigkeiten haben, wenn die Lehrperson ausschliesslich im sequenziellen Stil unterrichtet.  

 

Das Erkennen unseres Denkstils kann zudem Fähigkeiten zu Tage fördern, von denen wir nichts gewusst haben und es verbessert unsere Kommunikations- und Lernfähigkeit. 

Sprachliches Denken - ich denke in Worten

Bild eve-on
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Das sequenzielle System beinhaltet Analyse, Verarbeitung vom Einfachen zum Komplexen, Organisation von Informationen und linear-deduktive Begründungen. Es wird beeinflusst von Hören und Sprechen und einem Bewusstsein um Zeit. 

Von zeitlichen, sequenziellen und analytischen Funktionen wird angenommen, dass sie mit der linken Gehirnhälfte verbunden sind. 

 

Siehe auch weiter unten in der Vergleichstabelle. 

Ich sage zu meinem Sohn: Wenn du dir Mühe gibst, dann kannst du sehr schön schreiben.“ er antwortet: „ja aber meistens ist die Mühe schon vom Lego-Bauen aufgebraucht.“

Visueller Denkstil - ich denke in Bildern...

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Das visuell-räumliche Denken beinhaltet Synthese, ein intuitives Verstehen komplexer Systeme (oft mit Auslassen einzelner Schritte), gleichzeitige Verarbeitung von Konzepten, induktive Begründungen (vom Ganzen zu den einzelnen Teilen), Verwendung von Fantasie und Erzeugung neuer Ideen durch Kombination vorhandener Tatsachen auf neue Weise (kreatives Denken). Es ist beeinflusst durch Visualisierung und Bilder und einem Bewusstsein um Raum. Von räumlichen, ganzheitlichen und synthetischen Funktionen wird angenommen, dass sie mit der rechten Gehirnhälfte verbunden sind. (West 1991)

 

Kinder, die starke visuell-räumliche Fähigkeiten aufweisen sind ausgezeichnet im Visualisieren und müssen visualisieren, um lernen zu können. Visualisierung ist der Schlüssel in der mentalen Verarbeitung. Sie denken in erster Linie bildlich - das heisst in bildlichen Vorstellungen oder in Bildern, wie Standbilder, Fotografien, bewegte Bilder und Videos. Visuelles Denken ist sehr schnell, komplex und nicht sequenziell. Einige visuelle Denker berichten von einer völligen Abwesenheit von Geräuschen oder Selbstgesprächen in ihren Köpfen, andere erleben Geräusche in ihrem Kopf. 

 

Viele visuelle Denker nehmen Buchstaben und Zahlen als Bilder wahr. Sie haben Schwierigkeiten mit sequenziellem Denken und ein schwaches auditives Kurzzeitgedächtnis. Insbesondere haben sie Schwierigkeiten damit, auditive, sequenzielle Informationen von drei oder mehr Schritten zu hören, zu erinnern und zu wiederholen. Deshalb schneiden visuelle Denker z.B. im mündlichen Kopfrechnen oftmals schlecht ab, wenn sie die Zahlen nicht auch visuell vor sich sehen können. D.h. sie können Anweisungen nur dann optimal verarbeiten, wenn sie sie auch visuell erhalten (und nicht nur hören).

 

Wenn visuell denkenden Kindern Informationen auf nur auditive Art präsentiert wird, müssen sie sie in eine visuelle Art übersetzen. Dies funktioniert entweder, indem sie sie aufschreiben/aufzeichnen (doch das braucht viel Zeit) oder - viel schwieriger - indem sie die Information vor dem inneren Auge visualisieren. Das verlangt, dass sie die Realität kurzzeitig verlassen, um diese Übersetzung vorzunehmen. Das heisst, sie sind in dieser Zeit nicht in der Lage, die Informationen zu hören, die währenddessen vorgebracht werden. Bei einem exklusiven auditiven Unterrichtsstil in der Schule müssen visuell denkende Kinder dauernd zwischen der Aufnahme äusserer Informationen und ihrer visuellen Übersetzung hin und her switchen, was extrem anstrengend ist und zudem zu Informationslücken führt. 

 

Schwierigkeiten mit Schreiben können auch auftreten. Buchstaben schreiben und dann auch noch in eine bestimmte Reihenfolge zu bringen um Worte zu formen, kann für manche extrem herausfordernd sein. Auch Zeitbegrenzung ist ein Stressfaktor, da sie kein Zeitgefühl haben. Deshalb schneiden sie oft schlecht ab, wenn es um Geschwindigkeit und Zeitdruck geht. Die Lehrmethoden in der Schule sind sehr oft für auditiv-Lernende konzipiert. Stoff wird Schritt für Schritt eingeführt, geübt und wiederholt, unter Zeitbegrenzung getestet und dann beurteilt. Dieses Vorgehen ist ideal für sequenziell Lernende, deren Lernen Schritt für Schritt vom Einfachen zum Schwierigen fortschreitet. 

 

Visuell-räumlich Lernende verstehen Konzepte schnell, wenn sie innerhalb eines Zusammenhangs gezeigt werden und zu anderen Konzepten in Beziehung gesetzt werden. Wenn räumlich Lernende sich einmal ein Bild eines Konzepts schaffen und sehen, wie die Information zu dem passt, was sie bereits wissen, ist ihr Lernen dauerhaft. Wiederholungen sind deshalb völlig unnötig und irrelevant für ihren Lernstil. Ohne leicht erkennbare Verbindungsstränge kann der Stoff allerdings im Gehirn nirgends Halt finden - es ist so, als ob man in einem Vakuum lernt und erscheint völlig sinn- und nutzlos. Stoff der auf sequenzielle Weise angeeignet werden sollte, kann nie erinnert werden. Die Kinder üben und üben, können sich aber trotzdem nichts merken. Das führt zu extrem viel Frust und zu dem Gefühl, man sei nicht gut genug. Lehrkräfte missinterpretieren die Schwierigkeiten zudem oft als Unfähigkeit oder Faulheit. Auswendig lernen und mechanisches Lernen sind nicht für visuelle Lerntypen geeignet! Im Gegenteil, sie sind sogar schädlich, da sie die Schwächen, anstatt die Stärken betonen. (Silverman 1994)

 

Sie brauchen Struktur, Vorhersagbarkeit, klare Grenzen und Zeitrahmen und Unterstützung bei der Planung von Projekten. 

 

Hier ein paar Punkte, die visuelle Lerntypen auszeichnen:

 

  • mag komplexe Gedanken und Aufgaben und ist gut darin, scheitert aber oft an einfachen Dingen
  • ist körperlich sensibel, hat oft ein scharfes Gehör und starke Reaktionen auf laute Geräusche
  • scheint oft nicht zuzuhören
  • hat Schwierigkeiten, Arbeiten/Schulaufgaben zu Ende zu bringen
  • erfindet viele kreative und lustige Geschichten, bringt sie aber selten zu Papier
  • hat eine unordentliche Handschrift oder Schwierigkeiten innerhalb der Linien zu bleiben oder packt den Stift oft sehr fest und drückt beim Schreiben stark aufs Papier
  • liebt Lego, Geduldsspiele, Puzzles, Computerspiele, Fernsehen, das Herstellen von Dingen, Logikspiele
  • mag Kunst und/oder Musik
  • hat ein schlechtes Zeitgefühl
  • reagiert sehr empfindlich auf Kritik
  • ist emotional sehr sensibel
  • hat Schwierigkeiten mit Rechtschreibung und Stundenplänen
  • kann sich an den Weg zu einem Ort erinnern, nachdem er/sie nur einmal dorthin gegangen ist
  • hat eine lebhafte Fantasie
  • neigt zu häufigen Albträume, träumt sehr fantasievoll, Farb- und bilderreich
  • ist leicht ablenkbar
  • ist sehr desorganisiert

 

Es gibt zwei Schlüssel, um visuell-räumlich Lernende zu unterstützen: 

 

  1. zu verstehen, dass wenn diese Kinder nicht visualisieren, auch nicht denken und somit nicht lernen.
  2. man kann ihre vermeintlichen Schwächen nicht heilen, indem man sie zu noch mehr üben antreibt. 

 

Deshalb ist es dringend notwendig, dass der Lernstoff visuell gezeigt wird und dass die Stärken gefördert werden (und nicht auf den Schwächen herumgeritten wird). 

 

Felder & Silverman (1988) hat folgende allgemeine Grundsätze für das Unterrichten von visuell-räumlichen Lerntypen verzeichnet, die auch für alle anderen Kinder geeignet sind:

 

  • Motiviere zum Lernen, indem du den Lernstoff in Beziehung setzt zu dem, was zuvor kam und was noch kommen wird. Auch persönliche Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler sollen miteinbezogen werden. 
  • Biete ein Gleichgewicht von konkreten Informationen (Tatsachen, Daten, Experimenten) und abstrakten Konzepten (Grundsätze, Theorien, Modellen)
  • Verwende grosszügige Bilder, Schemata, Diagramme und Skizzen, zeige Filme, biete Vorführungen an, praktisch und aktiv wenn möglich. Je mehr die Kinder selber ausprobieren, experimentieren und erforschen können, umso nachhaltiger lernen sie. 
  • Biete Pausen bei Vorträgen, dem Schreiben an der Tafel, damit die Schüler/innen über das Gesagte nachdenken können.
  • Verwende kleine Brainstorming Zeiten, um den Kindern die Zeit zu geben, selbst aktiv zu sein und sich Notizen oder Bilder anzufertigen
  • Biete Probleme mit offenen Lösungen und Übungen, die nach Analyse, Synthese und Kombination verlangen, um mechanische Übungsaufgaben auszugleichen. 
  • Schätze und belohne Vielfalt und unterschiedliches Denken, lobe kreative Lösungsvorschläge - auch wenn sie falsch sein sollten.
  • Rede mit den Kindern über Lernstile und lasse sie ausprobieren, wie sie am besten lernen
  • Biete eine beschleunigte Behandlung eines Themas an, für Kinder, die keine Wiederholungen brauchen
  • Biete erweiterten oder bereichernden Stoff an
  • setze die Kinder ganz vorn ins Klassenzimmer, um möglichst viel Ablenkung zu vermeiden. Lärmschutz-Kopfhörer könnten auch helfen.
  • Schreibe Anweisungen immer auf - an die Tafel, Flipchart, etc. 
  • Bücher die reich bebildert sind unterstützen das Interesse und die Lernfähigkeit von Text
  • Lehre Mathematik visuell und unter Verwendung von der entdeckenden Methode. Bilder, Farben und Formen können helfen, mathematische Formeln und Gleichungen besser zu verstehen und sich zu merken. 
  • Verteile wenn möglich den Kindern schriftliche Aufzeichnungen, weil manche schlecht von der Tafel abschreiben können. 
  • Erwäge die Möglichkeit Texte am Computer schreiben zu lassen
  • Gib zusätzliche Zeit und Unterstützung um Aufgaben fertig machen zu können, wenn nötig
  • Erlaube Tonaufnahmen von Vorträgen, etc. wenn nötig. 

Modell der linken Hirnhälfte


Verbal: Worte verwenden, um zu benennen, zu beschreiben und zu definieren.


Analytisch: Dinge Schritt für Schritt und Teil für Teil herausfinden.


Symbolisch: Ein Symbol verwenden, das für etwas steht.


Zeitlich: Zeitabläufe sind wichtig. Eine Sache folgt nach der anderen.


Rational: Schlussfolgerungen ziehen auf der Grundlage von Verstand und Tatsachen.


Logisch: Schlussfolgerungen ziehen auf der Grundlage der Logik: eine Sache folgt der anderen in einer logischen Reihenfolge.


Digital: Zahlen sind wichtig und werden sehr einfach verwendet. Mathematik, Programmieren, etc. fällt oft leicht. 


Linear: In Begriffen von verbundenen Vorstellungen denken, ein Gedanke folgt direkt auf einen anderen, was oft zu einer konvergenten Schlussfolgerung führt. 

Modell der rechten Hirnhälfte


Nonverbal: Bewusstsein um Dinge, aber minimale Verbindung mit Worten.


Synthetisch: Dinge zusammensetzen, um ein Ganzes zu formen.


Konkret: Sich auf Dinge beziehen, so wie sie im gegenwärtigen Moment sind.


Nicht-Zeitlich: Ohne Zeitgefühl

 


Nicht-Rational: Verlangt keine verstandesmässige Grundlage. Oftmals geleitet von Intuition


Intuitiv: Sprunghafte Einsichten bekommen, oft auf Grundlage unvollständiger Muster, Ahnungen, Gefühlen oder visueller Bilder.


Räumlich: Sehen, wo die Dinge im Verhältnis zu anderen Dingen sind und wie Teile zusammen gehören, um ein Ganzes zu formen.


Ganzheitlich: Ganze Dinge auf einmal sehen, die Gesamtmuster und -strukturen erkennen, was oft zu abweichenden Schlussfolgerungen führt. Holistisch



(Springer & Deutsch, 1989)

Literaturtipps aus eigener Erfahrung, wie Bilderdenker besser lernen...

Mit der Familie Vielfuss lässt sich das 1x1 bunt, mit Liedern und Geschichten lernen. Visuell, spassig und mit Liedern, die man mitsingen kann. Für Kinder im Kindergarten und der 1. - 2. Klasse ein grosser Spass! Viel besser als "trockenes" Auswendiglernen...

 

Erhältlich z.B. hier

Mathe mit Kunst, Geometrie oder auch anderen visuellen Tätigkeiten zu verbinden macht nicht nur Spass, sondern verknüpft automatisch auch verschiedene Bereiche. Dazu gibt es verschiedene Übungshefte und Bücher im Handel. Wir haben damit viel Spass und Erfolg gehabt:

 

Auch die grosse Palette an Logikspielen hilft visuell denkenden Kindern Mathe und Sprache auf eine andere Weise zu erfassen. Auch da gibt es viele Anbieter. Wenn Sie Logikspiele als Suchbegriff eingeben, dann finden Sie bestimmt etwas Passendes... Wir finden vor allem die Marke "Smart Games" supertoll. Da gibt es für alle Altersstufen verschiedene analoge Spiele, die verschiedene Knobelaufgaben und Logikaufgaben bieten. 

Lesen und Rechnen lernen ging auch immer wunderbar, wenn es mit Rätsel oder spannenden Geschichten verknüpft war. Lego bauen fördert übrigens das mathematische, logische, bildnerische Denken sehr intensiv... Auch andere Brettspiele und Spielsachen können indirekt das mathematische und linguistische Können ganz spielerisch verbessern, ohne dass man langweilige und sich immer wiederholende Übungen machen muss... Think out of the Box und finde kreative Lösungen. Ziehe dein Kind mit ein und finde zusammen mit ihm coole Wege, wie das Lernen einfacher geht und mehr Spass macht! Kinder haben oft unglaubliche und sehr kreative Ideen und wenn das Kind die Lernmethode selber wählen darf, dann lernt es automatisch viel leichter und besser!!

EVE-ON

Yvonne Hiltebrand

Rebweg 8, 8181 Höri

[email protected]

Ausgewählte Produkte sind nun auf Etsy erhältlich! Mein Shop heisst: EVEON