Das Elterngespräch war scheisse. Das Schulteam ist uns ziemlich in den Rücken gefallen und wieder wurde mir klar, dass meine Wertehaltung und mein Verständnis von der Begleitung von Kindern ganz anders ist. Sie haben von Leevi Dinge erzählt, die gar nicht seinem Naturell entsprechen.
Und dass er sich in der Gruppe so verhält, zeigt deutlich seine Not. Er glaubt offenbar, dass er nur mit solchem Verhalten dazugehören kann. Und das zeugt wiederum davon, dass in der Schule falsche Signale vermittelt werden und die Kinder zu wenig begleitet werden. Ist es eine unrealistische Vorstellung von mir, den Kindern Werte wie Respekt, Toleranz, Wertschätzung und schlaue Konfliktlösung zu vermitteln?
Offenbar fühlte sich die Schulleiterin bedrängt durch das, dass wir die Psychologin mit ins Boot geholt haben. Sie ging vom ersten Moment des Gesprächs direkt in die Offensive und übernahm den Lead, obwohl der eigentlich bei der Psychologin gewesen wäre. Ich spürte sowieso bereits vor dem Gespräch die Anspannung der Schulleiterin. Das absurdeste an diesem Gespräch war, dass fast alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen in der Schule präsent waren. Die Psychologin wäre ohne Problem auch in die Schule gekommen. Warum musste dann das Gespräch unbedingt über ein Onlinemeeting stattfinden. Mein Mann und ich waren in die Schule gefahren für das Gespräch und um danach unseren Sohn mit nach Hause zu nehmen. Wir hörten die Lehrerin im Zimmer nebenan. Ausserdem hatte diese ihre Kinder mit dabei im Zimmer, was ich als sehr grenzüberschreitend empfand. Dieses Gespräch war nicht für die Ohren von ihren Kindern gedacht. Total unproffessionell das Ganze!
Bereits in früheren Elterngesprächen habe ich mich immer gefragt, ob die Lehrerinnen eigentlich das Dossier von meinem Sohn vor sich hatten, oder ob sie aus Versehen, das eines anderen Kindes mitgenommen hatten. Sie erzählten Dinge, die so gar nicht zu meinem Sohn passten.
Dies zeigte nur deutlich, dass sich mein Sohn in der Schule extrem zurücknimmt und anpasst. Dass er seine Hochbegabung verschleiert und versteckt und dass er den Lehrerinnen nicht sein ganzes Potential offenbart. Auch in der Interaktion mit den Kindern muss er sich täglich anpassen und zurück nehmen. Kein Wunder ist er dauernd krank!
Schlecht geschlafen. Gedankenkarussell. Immer und immer wieder wählte ich die selben Szenen, Dialoge und Gedanken. Wiederkäuen. Immer und immer wieder. Von verschiedenen Perspektiven. Doch noch ein paar unverdauliche Dinge im Magen. Raus spuken kann ich’s nicht mehr. Also muss ich Käuen. Und Geduld haben. Vertrauen in die Natur und den Prozess. Tränen. Null Energie. Keine Lust.
Heute wäre ein Tag, den ich am liebsten alleine im Schoss der Natur verbringen würde. Schon das Aufstehen ist schief gelaufen. Dann hat mein Sohn bereits Vollgas gegeben. Er will nur mit mir und nichts ohne mich. Das treibt mich an den Rand der Klippe. Warum?! Warum kann er nicht einfach mal mit jemand anderem einen tollen Ausflug oder so machen?!? Das war schon so, als er ein Baby war. Ich weiss es ja. Es liegt an der psychischen Belastung in der Schule. An der Unterforderung. Am Mobbing. Daran, dass wir noch keine Lösung haben.
Ich stecke komplett zurück und gebe mich selbst fast auf, dafür, dass es ihm gut geht. Ein altes Muster aus meiner Kindheit? Übertrage ich jetzt gerade das Muster von meiner Mutter auf meinen Sohn?
Der Satz der Psychologin „ihr müsst die Verantwortung auf mehr Schultern laden“ kommt mir in denn Sinn. Das wäre schön. Doch leider habe ich bisher nur Menschen gefunden, die das können, die für solche Dienste bezahlt werden. Mein Sohn verweigert nach wie vor betreut zu werden oder mit jemand anderem, als mir selbst, etwas zu unternehmen. Und diese Verweigerung ist nicht nur ein quengeliges "Nein!", sondern es führt zu einer existenziellen Krise, wenn ich es forcieren will.
Liegt es an mir, dass er Mühe in der Interaktion mit anderen Menschen hat? Oder liegt es eher daran, dass wir beide extrem sensibel sind? Und dass es an Stimuli fehlt bei anderen Menschen.
Mich stresst die noch ungelöste Situation mit der Schule. Meine Nerven sind am Limit belastet. Ich habe weder Energie noch Lust immer und immer wieder mailen oder vorsprechen zu müssen und trotzdem das Gefühl zu haben, nichts zu erreichen. Nicht verstanden und nicht gehört zu werden. Belächelt zu werden. Abgespeist und abgeschüttelt zu werden, wie eine lästige Fliege. Kein Gehör zu finden. Nur Unverständnis und Vor-Verurteilung. Das bin ich soooooo satt!!! Sooooo müde!! Augenhöhe wäre angebracht. Nicht nur mir gegenüber, sondern auch meinem Sohn gegenüber.
