Buch über Lou Andreas-Salomé gelesen. Beeindruckend. Was mich am meisten erstaunt ist, dass Lou damals schon eine ähnlich Vision von Gleichberechtigung der Geschlechter hatte, wie ich heute. Wenn sie wüsste, dass sich seit damals nicht viel verändert hat? Sie war nicht für den Feminismus. Sie plädierte dafür, dass der Unterschied von Mann und Frau anerkannt werden sollte und dass Frauen genau wie Männer gewürdigt und respektiert werden müssten. Besonders die, die sich einer Kunst oder einer Wissenschaft verschrieben und darin sehr gut waren. Zu ihrer Zeit veröffentlichten viele Frauen mit männlichem Pseudonym Texte. Malerinnen und Bildhauerinnen, Physikerinnen und andere Wissenschaftlerinnen standen stets im Schatten von Männern. Lou Andreas-Salomé hat extra der Ehe abgesagt um nicht im Haushalt zu veröden. Sie lebte für die damalige Zeit ein sehr unkonventionelles Leben. Wie steht es heute? Der Kampf um Gleichberechtigung und Anerkennung ist noch nicht zu Ende. Ganz im Gegenteil…
Sie konnte dies, weil sie als jüngste und einzige Tochter von ihrem Vater unkonventionell behandelt wurde. Er gab dem wissbegierigen, hochbegabten und neugierigen Mädchen das Hirnfutter, das Selbstvertrauen und die Selbstachtung, das sie brauchte, um zu einer eigenständigen, stolzen und unabhängigen Frau zu werden.
Wie viele begabte Mädchen und Buben wurden nicht als das erkannt und wurden deshalb keiner solchen Förderung zuteil?
