
Wenn ich mit manchen Menschen über intuitives Essen diskutiere, dann höre ich immer wieder den Einwand: "Ja dann würde ich nur noch Süssigkeiten essen!"
Dazu kann ich nur sagen - das hat nichts mit intuitivem Essen zu tun. Vielmehr handelt es sich hierbei um emotionales Essen. Das bedeutet, dass wir unsere Körpersignale nicht wirklich wahrnehmen, sondern dass die überdeckt werden von Emotionen oder Stress. Wenn wir unter Stress stehen schüttet unser Körper vermehrt Stresshormone aus und dies führt dazu, dass wir schnell viel Energie brauchen. Süssigkeiten liefern dies. Wer unter Dauerstress leidet, ernährt sich dem zu Folge auch eher ungesund und unausgeglichen. Doch auch Emotionen können dazu führen, dass wir zu Nahrungsmittel greifen, die uns eigentlich nicht gut tun - um die Emotionen zu kompensieren.
Intuitives Essen hat nichts damit zu tun. Was bedeutet es also, intuitiv zu essen?
Beim intuitiven Essen geht es darum, auf den Körper zu hören (und nicht auf deine Gedanken, die dir vorgaukeln, dass du gerade etwas Bestimmtes essen solltest). Das heisst konkret, dass du nur dann isst, wenn dein Körper ein Hungersignal sendet und nur das isst, worauf du Lust hast. Viele Menschen folgen regelmässig oder dauernd Diäten. Wir haben verlernt auf unseren Körper zu hören. Denn dieser weiss nämlich ganz genau welche Mikro- und Makronährstoffe er gerade braucht, wenn man ihm zuhört und ihn lässt...
Es gibt keine Beweise dafür, welche Nahrungsmittel FÜR ALLE MENSCHEN gesund sind und welche Diäten die gesündesten wären. Wer kann also wissen, was gesund und gut ist? Was das Beste ist?
NUR DER EIGENE KÖRPER!! Nur dein Körper weiss, was gerade das Beste FÜR DICH ist...

Nur der eigene Körper weiss, was das Beste für dich ist! Er steuert unser Essverhalten über Gefühle.
Das bedeutet auch, dass unser Essverhalten je nach Tagesform anders ist. Wenn wir traurig sind, essen wir andere Dinge, als wenn wir gerade den 6er im Lotto erzielt haben.
Intuitives Essen ist die natürlichste Form, weil es im Einklang mit den Bedürfnissen und Empfindungen unseres Körpers stattfindet. Es geht darum, auf echten biologischen Hunger (und nicht psychologische Lust) zu achten, bewusst zu essen und das Essen zu riechen, zu schmecken, zu geniessen. Es geht darum wieder spüren zu lernen, was unser Körper braucht und worauf er gerade Lust verspürt. Auch zu spüren, was verträglich ist!!
Wenn du mal Heisshunger auf Schokolade, Kuchen oder eine Pizza hast - dann greife zu. Hast du allerdings immer Lust auf solche Nahrungsmittel, dann bist du nicht im Gleichgewicht. Intuitives Essen sollte abwechslungsreich sein. Unser Körper braucht ganz viele verschiedene Nährstoffe zu unterschiedlichen Zeiten.
Emotionales Essen zeigt sich darin, dass man fast ausschliesslich und übermässig Lust auf kalorienreiche Lebensmittel hat. Das bedeutet, dass man isst, um Gefühle wie Frust, Stress oder Langeweile zu übertünchen. Man isst nicht, weil der Körper Hunger signalisiert, man isst, um sich zu besänftigen oder zu beruhigen. Und dann sollte man sein Essverhalten vielleicht mal hinterfragen und sich überlegen, welche Gefühle denn da übertüncht werden.
Wie erreiche ich also intuitiv zu spüren, was mein Körper gerade braucht?

Der erste Schritt ist, seinen Körper und seine Gefühle wieder zu spüren und wieder wahrzunehmen. Denn allzuoft sind wir "im Aussen" blockiert und konzentrieren uns nur darauf, was der andere von mir denkt, ob ich gerade bei meinen Teamkollegen gut ankomme und ob ich heute auch genug schlank und hübsch aussehe. All diese Faktoren beeinflussen ganz zentral unser Essverhalten.
Wenn wir nun also zu einem natürlichen, intuitiven Essverhalten zurückkehren wollen (denn das wäre uns Menschen, genauso wie allen anderen Lebewesen auch, angeboren), dann...
...müssen wir ganz bei uns sein.
Und das erreichen wir über unseren Atem. Nimm ein paar tiefe Atemzüge, ohne den Atem aktiv verändern zu wollen. Atme einfach tief ein und sei bei deinem Atem. Dann spüre in deinen Körper hinein und komme ganz zu dir.
Wenn du dich abgelenkt fühlst, dann empfehle ich diese Übung an einem Ort zu machen, an dem du ungestört sein kannst. Es braucht nicht viel Zeit - das kann also auch auf der Toilette oder beim Kaffeeautomaten sein. Oder nimm deine Kopfhörer und stell dir dein Lieblingslied ein, während dem du dich auf deinen Atem und deinen Körper konzentrierst.
Dann frage dich ohne zu bewerten - sonder nimm einfach nur wahr, so als würdest du ein Gemälde in einem Museum betrachten:
- Wie fühlt sich mein Körper gerade jetzt an?
- Gibt es Verspannungen?
- Fühle ich Schmerzen?
- Was für ein Gefühl kommt in mir hoch und wo fühle ich es besonders intensiv?
- Wo fühle ich Entspannung in meinem Körper? Und wo Anspannung?
- Woher kommt die Anspannung?
- Habe ich Hunger? Was würde mir jetzt gut tun? Welches Lebensmittel braucht mein Körper jetzt?
Das ist nur eine Auswahl von möglichen Fragen um das Prinzip zu erklären. Am besten findest du für dich die richtigen Fragen, auf die du ansprichst.
Man kann durch das Wahrnehmen unseres Körpers und von Gefühlen auch probieren, Lebensmittel abzuchecken. Man kann zum Beispiel durch das Gemüseregal eines Lebensmittelhändlers streifen und sich fragen, welches der Angebote gerade gut für unseren Körper ist. Dazu muss man nicht besonders sensibel oder hellfühlend sein. Das kann jede und jeder - mit ein bisschen Training...
So kann man auch mit der Zeit erkennen, was einem wirklich nicht gut tut. Ich zum Beispiel habe so herausgefunden, dass mein so heissgeliebter Milchkaffee meinem Darm überhaupt nicht gut tut und dass ich durch den Konsum einige Beschwerden in Kauf genommen habe. Die Milch im Kaffee und in Kombination mit dem Kaffee hat dazu geführt, dass ich regelmässig Kopfschmerzen hatte und unter Schlaflosigkeit zwischen 1 - 3 Uhr Nachts litt. Natürlich ist es immer möglich gewisse Beschwerden zu ignorieren und sich einzureden, dass - in meinem Beispiel - der Kaffee unverzichtbar ist und ich ihn einfach "brauche". Tatsache ist aber, dass unser Körper da oftmals andere Bedürfnisse hat als unsere Psyche.... Und Tatsache ist auch, dass unser Körper uns immer Signale sendet. Nur haben wir leider verlernt, diese Signale wahr und ernst zu nehmen. Viel zu oft ignorieren wir sie... Wenn wir sie zu lange ignorieren, kann das auch mal zu einer ernsthaften Krankheit führen....
Intuitives Essen erfordert ein bisschen Mut und den Willen seine Essgwohnheiten zu hinterfragen und vor allem auch umstellen zu wollen. Das mag zu Beginn anstrengend sein und führt oftmals auch dazu, dass lieb gewordene Lebensmittel nicht mehr konsumiert werden sollten - oder zumindest nicht mehr in rauen Mengen. Aber es führt auch zu mehr Wohlbefinden, mehr Vitalität und Gesundheit.
Up to you was dir wichtiger ist....

Im Buch von Safi Nidiaye "Wieder fühlen lernen" gibt es auch ganz viele Tipps, wie wir unseren Körper, unsere Gefühle und das, was unserem Körper gut tut, wieder besser wahrnehmen lernen können. Denn darum geht es - dies wieder zu lernen. Wir haben es verlernt. Aber theoretisch ist es uns angeboren...
Auch Leonard und Lillian Pearson erklären in ihrem Buch "Psycho Diät", wie wir wieder zu intuitivem Essen zurück finden können. Diese beiden Autoren haben festgestellt, dass Übergewichtige alleine dadurch abnehmen können, dass sie ihrem Appetit folgen. Sie unterscheiden zwischen Nahrungsmittel die "summen" und die "winken". Ein Lebensmittel "summt", wenn sich das Bedürfnis danach von innen meldet, und es "winkt", wenn es uns durchs Aussehen, dem Geruch, etc. anlockt. Ihre einzige Diätempfehlung lautet: << Nehmen Sie nur summende Nahrungsmittel zu sich, keine winkenden.>>
Diese Empfehlung tönt für mich sehr logisch und ist auch leicht umsetzbar (naja am Anfang vielleicht nicht, wenn man sich gewohnt ist, nur die winkenden Lebensmittel zu konsumieren. Aber ich denke ein bisschen Disziplin am Anfang zahlt sich aus...)
Hast du Appetit auf einen Hamburger, dann iss einen Hamburger und ersetze ihn nicht mit einem Apfel, um deiner Vorstellung von einer schlankheits- oder gesundheitsfördernden Diät zu folgen. Wenn du genau das isst, worauf du Appetit hast, in genau der Menge und auf genau die Weise, die dein Körper wünscht, bist du hinterher zufrieden und fühlst dich wohl. Isst du stattdessen etwas anderes (den Apfel), weil das, worauf du Appetit hast, gerade nicht da ist, du zu faul bist es zuzubereiten, oder zu vernünftig um es zu essen, bist du anschliessend unzufrieden, fühlst dich nicht erfüllt und wirst noch mehr von dem Ersatz essen - oder vielleicht sogar später zu etwas ungesundem greifen um die Unzufriedenheit zu übertünchen.
Am Ende hast du zu viel vom Falschen gegessen oder musst dich ständig mit Frustration oder sogar einem schlechten Gewissen herumschlagen, was schliesslich dazu führt, dass du einmal masslos über die Stränge schlägst, woraufhin du wieder fasten musst, und so fort....
Diese Empfehlung finde ich übrigens nicht nur für die Ernährung genial, sondern auch für unser ganzes Leben! Tu das, worauf du von innen her Lust hast, und nicht das, was dir von aussen her etwas verspricht.
Folge deinem Gefühl, statt dich zu etwas verleiten zu lassen, das sich dann doch nicht als das zeigt, was ursprünglich versprochen wurde. Gewöhne dir an, das zu tun und zu essen was "summt", wonach du also von innen her einen Impuls verspürst, und meide das, was "winkt", also von aussen her lockt.
Die Ernährung eignet sich zu Beginn wunderbar als "Übungsobjekt" um dieses Gefühl zu trainieren. Fühle in deinen Körper hinein, lass dir einen Moment Zeit und frage dich - worauf habe ich jetzt Appetit?
Vielleicht sind wir nicht immer in jeder Situation in der Lage, das zu beschaffen, auf was wir gerade Appetit haben. Einverstanden. Aber auch in solchen Situationen können wir unseren Körper und unser Gefühl wahrnehmen. Und wir können unseren Appetit wahrnehmen. Auch wenn wir dann vielleicht etwas anders essen müssen, weil das Gewünschte gerade nicht zu haben ist. Ausserdem lässt sich oftmals etwas finden, das zumindest in die ähnliche Richtung geht...
Es ist schon sehr viel wert, wenn wir bemerken, ob wir eher Lust auf etwas Warmes haben, oder lieber einen kühlen Salat oder ein kaltes Birchermüesli. Die ersten Schritte dürfen auch sehr simpel sein. Mit mehr Training kann man das Ganze dann immer mehr verfeinern, bis man einzelne Zutaten oder Gewürze "spürt".
Dies lässt sich dann auch auf andere Lebensbereiche übertragen. Irgendwann bemerken wir dann von alleine, dass wir gerade einer winkenden Verlockung hinterherjagen und können vielleicht frühzeitig abbrechen....
Wenn wir beginnen wahrzunehmen, dass es uns viel zufriedener und glücklicher macht, wenn wir den summenden Lebensmittel und Lebenssituationen folgen, anstatt den winkenden, dann wird sich so oder so etwas in uns wandeln...
