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Wenn wir uns schwere Bürden aufladen...

Zeichnung by eve-on
Zeichnung by eve-on

Viele von uns haben die Angewohnheit, uns Sorgen und Ängste von unseren Eltern, Partner, Kindern oder anderen Personen aufzuladen. Es gibt einen Unterschied zwischen Mit-Leid(en) und Anteilnahme und Mitgefühl. Ersteres ist für uns, sowie auch für die anderen Personen ungesund. Was ist der Unterschied?

Mitleid

Mitleid ist, wenn wir mit der anderen Person mitleiden. Wenn wir ihr Leid übernehmen und vielleicht sogar körperlich das Leid der anderen Person "mitfühlen". Besonders emphatische Menschen können sich schnell darin verlieren, im Mitleid. 

 

Mitleid ist jedoch weder hilfreich noch heilsam. Für niemanden. Wenn wir mitleiden, dann verringern wir das Leid der leidenden Person überhaupt nicht, sondern wir vermehren es. 

 

Mitleid kann sogar mitunter egoistisch sein, denn es gibt Menschen, die laben sich am Leid anderer. Sie ziehen Energie daraus, andere leiden zu sehen. Das gibt ihnen dann besonders viel Kraft und Energie. Die leidende Person fühlt sich danach noch schlechter. 

 

Manche Menschen haben die Angewohnheit ihre Probleme und Sorgen einfach beim nächstbesten abzuladen, ganz so als würden sie ihren Müllsack an die Strasse stellen. Sie gehen dann einkaufen und labern die Kassiererin voll. Oder sie telefonieren mit jemandem und laden dort ungefragt alles ab, was sie belastet. Andere "kotzen" ihren Ärger, ihre Sorgen oder ihre Unzulänglichkeiten einfach mal schnell über die Hecke zum Nachbarn rüber.

 

"So! Ich bin es jetzt los und jetzt gehts mir wieder besser!" Aber wie es dabei dem Nachbarn, dem Kontakt am Telefon oder der Kassiererin geht, das interessiert diese Leute nicht. Sie sind sehr egoistisch und denken nur an sich...

Mitgefühl und Anteilnahme

Mitgefühl und Anteilnahme ist die schönere, gesündere und hilfreichere Variante. Indem ich jemandem zuhöre, Anteil habe an seinem/ihrem Leben und Mitgefühl zeige, kann etwas Heilsames und Kräftigendes entstehen. Während dessen bleibe ich aber bei mir. Ich bin mir meiner selbst (und auch meinen Herausforderungen und Schwierigkeiten im Leben) bewusst, aber ich versuche sie nicht der anderen Person abzuladen. Ich übernehme die volle Verantwortung für mich und mein Leben. Ich grenze mich gesund ab und steigere mich nicht in das Leid anderer Menschen hinein. Ich bin achtsam und merke, wenn mich etwas triggert. Trotzdem kann ich bei mir bleiben. 

 

Man kann sein Leid, seinen Schmerz teilen, aber er vervielfältigt sich nicht, indem die andere Person das Leiden übernimmt oder sogar auf sich nimmt. Mit Mitgefühl und Anteilnahme kann das Leiden verringert werden. Es kann ein Heilungsprozess angestossen werden und je nachdem, kann auch ein Perspektivenwechsel der beteiligten Personen angestrebt werden. Manchmal hilft es aber auch nur schon, wenn jemand mit voller Aufmerksamkeit zuhört...

 

Dazu braucht es eine gewisse Vertrauensbasis. Eine gewisse Nähe. Denn WIRKLICH jemandem zu erzählen, wie es einem gerade geht, das passiert eher selten. Meistens wird gemotzt, geklönt oder etwas schöngeredet. Aber auf die Frage: "Wie geht es dir?", bekommt man selten eine WIRKLICH ehrliche Antwort. Nunja - die meisten wollen diese ja auch gar nicht hören und fragen bloss aus Höflichkeit, wie es einem geht. 

 

Dabei wäre ein seriöser, ernster und ehrlicher Austausch gerade in der heutigen Zeit so wichtig...

Zeichnung by eve-on
Zeichnung by eve-on

Viele von uns haben nicht nur die Angewohnheit sich einen oder sogar mehrere Angehörige - hier in meinem Beispielbild den Vater - auf die Schultern zu laden, sondern auch noch deren Bürden. Wir machen dies aus Loyalität und oftmals total unbewusst. Wir versuchen damit, unseren Angehörigen eine Last abzunehmen - meistens in der Hoffnung, geliebt zu werden. Dies ist ein Wunsch, den wir aus unserer frühen Kindheit immernoch mit uns herumtragen, und der sich in den abstrusesten Verhaltensweisen zeigt. Aber wir können unseren Angehörigen zumuten, dass sie ihre Bürden und sich selbst selber tragen. Es ist ihre Aufgabe. Nicht unsere...

Selbstverantwortung übernehmen

 

Dabei ist es so wichtig, dass wir in die Selbstverantwortung und in die Selbstwirksamkeit kommen. Jeder ist selbst dafür verantwortlich, was er für Spuren in dieser Welt hinterlässt...

 

Als Mama habe ich mich oft gefragt: "Wer soll denn meinem Kind zeigen und erklären, wie man sich innerhalb der Gesellschaft bewegt, wenn nicht ich?" "Wer soll meinem Kind beibringen, was ein respektables und respektvolles Verhalten ist, wenn nicht ich?"

 

Um unseren Kinder gewisse Werte mit auf den Weg geben zu können, müssen wir aber zuerst bei uns selbst hinschauen. Bin ich jemand, der es jedem recht machen will? Oder bin ich jemand, der überall die Konfrontation sucht? Bin ich jemand, der die Bürde anderer Menschen auf meine Schultern lädt und versucht, sie damit zu entlasten? 

 

Wir haben es uns zur Gewohnheit gemacht, es ist in unserer Gesellschaft normal, einen Schuldigen zu suchen oder bei Beschwerden und Schwierigkeiten zu denken

 

  • „der Arzt wird es dann schon richten“.
  • "Das ist Aufgabe der Schule, der Kita, der.. und nicht meine Aufgabe."
  • "der und der ist zuständig, aber sicher nicht ich!"
  • etc. 

 

Doch die Verantwortung für unseren Zustand, unser Handeln und unser Denken abzugeben, beraubt uns unserer Selbstwirksamkeit. Nur wir und ganz alleine wir können bestimmen, was wir Denken - in jeder Sekunde!! - wie wir handeln und wie es uns geht. Suhlen wir uns dauernd in negativen Gedanken und geben wir die Verantwortung für unseren Körper, unsere Stimmung, unsere psychische Verfassung, unsere Geisteshaltung ab? Oder übernehmen wir die Verantwortung und schauen bei uns persönlich (und nur bei uns!! nicht beim Partner, nicht bei den Eltern, nicht bei den Kindern, etc.) genau hin. Wischen wir zuerst vor der Türe des Nachbarn oder bei uns? 

 

Es ist nie zu spät, sich zu fragen und sich bewusst zu werden, wie wir im Leben stehen. Was für Gedanken denke ich täglich, stündlich, minütlich? Wie fühle ich mich gerade? 

 

Womöglich ist es hilfreich, wenn wir regelmässig - vielleicht alle 30 Minuten? - bei uns einchecken. Dies geht so:

 

  • Schliesse deine Augen und
  • Nimm drei tiefe Atemzüge 
  • Checke nun deinen Körper ab. Wie fühle ich mich gerade? Bin ich angespannt? Wenn ja - wo genau? Warum? Kann ich diesen Bereich jetzt aktiv entspannen und die dazugehörigen Gefühle und Gedanken loslassen? 
  • Was braucht mein Körper jetzt gerade? 
  • Welche Gedanken schwirren mir gerade im Kopf herum? Sind sie hilfreich? Bringen sie mich in eine gute und fröhliche Schwingung? 
  • Etc. 

Dies braucht vielleicht fünf Minuten. Und es lässt sich überall ausführen...

 

Eine Kleinigkeit für uns, aber ein grosser Schritt zu mehr Energie, mehr Freude und mehr Mitgefühl...

EVE-ON

Yvonne Hiltebrand

Rebweg 8, 8181 Höri

[email protected]

Ausgewählte Produkte sind nun auf Etsy erhältlich! Mein Shop heisst: EVEON