"Das Kind muss das Lernen lernen" ist bei Therapeuten und Menschen, die mit hochbegabten Kindern arbeiten in aller Munde. Man liest es in Ratgebern, auf spezialisierten Webseiten und hört es von Psychologen. Doch ist dies wirklich so?
Ich denke es hilft allen Menschen, sich Strategien und Methoden anzueignen, wie man Wissen lernt und langfristig im Langzeitgedächtnis speichert. Das ist keines Falls exklusiv für begabte Menschen ein Thema! Zudem ist Lernen sehr individuell - daher wundert es mich, warum man in Schulen nicht häufiger Lernmethoden und Lernstrategien zeigt und die Kinder dazu motiviert, ihre Lieblingsmethode(n) zu finden. Immer nur Frontalunterricht, Spritzkannenprinzip.. soooo altmodisch! Sooo einschränkend für alle Kinder und sooooo ätzend langweilig!!!
Und überhaupt bin ich überzeugt, dass hochbegabte Kinder nicht mehr als andere Kinder das Lernen lernen müssen. Im Gegengeil! Ich glaube, wenn alle Kinder - aber insbesondere hochbegabte - in ihrem eigenen Tempo arbeiten könnten, dann müssten sie das Lernen nicht lernen.
Denn, wenn sie nicht mehr ausgebremst werden, wenn sie in ihrem Tempo Schulstoff oder anderes Wissen erarbeiten könnten, dann lernen sie automatisch - und zwar extrem viel! Und dann lernen sie so, dass der Stoff auch im Gedächtnis bleibt - und zwar über Jahre hinweg!!
Dies gilt auch für andere Kinder, die nicht hochbegabt sind. Wenn auch diese in ihrem Tempo lernen können, dann sind sie nicht mehr überfordert mit der Menge an Stoff und lernen automatisch mehr, als wenn sie unter Stress und Druck für eine Prüfung Stoff auswendig lernen sollen. Das Auswendiglernen von Vocabulaire, Namen von Flüssen oder Jahreszahlen von Ereignissen erscheint mir ja sowieso total veraltet und sinnlos. Im Zeitalter von KI und Smartphones kann man diese Daten innerhalb von Sekunden nachlesen, wenn man sie braucht. Wozu quält man Kinder heutzutage immer noch mit solchen Tests und Prüfungen? Was soll das bringen? Dass die Kinder die Daten in ihr Kurzzeitgedächtnis packen um es am Tag nach der Prüfung wieder zu vergessen?? Damit die Lehrperson eine Note schreiben kann?
Sprachunterricht, wo die Kinder nur Wörtli auswendig lernen erscheint mir äusserst sinnlos. Wäre es nicht viel praktischer, wenn die Kinder spielerisch (und auch indem sie Fehler machen dürfen) die Sprache BEIM SPRECHEN erlernen? Bereits Vera F. Birkenbihl hat vor Jahren dafür plädiert, dass wir vom Sprachunterricht, wie er heute immer noch stattfindet, wegkommen sollten und Sprache gehirngerecht lehren sollten. Leider ist das bei unseren Schulen noch nicht angekommen...
Hochbegabte werden oft doppelt gestraft, indem sie den normalen Stoff (der ätzend langweilig ist) mitmachen müssen und zusätzlich Förderaufgaben bekommen. Doch beim Absitzen des normalen Unterrichts wird es ihnen bereits so extrem langweilig, sie sind soooo komplett unterfordert, dass ihnen dann die Motivation fehlt, überhaupt noch etwas lernen oder tun zu wollen. Auch die Förderaufgaben, auch wenn sie gut gemeint sind, heben das Kind dann nicht in ein gesundes Level, das es braucht, um motiviert und interessiert lernen zu wollen. So werden die Kinder nur abgestumpft.
Benachteiligten Kindern hilft man oft doppelt und dreifach. Man unterstützt sie bei ihrer Schwäche und gibt ihnen mehr Zeit oder zusätzliche Hilfsmittel. Hochbegabte müssen nicht nur mehr Dinge tun, sie werden ach in ihrem Tempo ausgebremst. Ich verstehe die Logik nicht. Warum kann man nicht allen Kindern das Lerntempo attestieren, das sie benötigen??!! Natürlich ist es toll, wenn Kinder mehr Zeit bekommen, damit sie eine Aufgabe schaffen. Natürlich ist es toll, wenn Kinder Unterstützung bekommen. Doch warum nur die benachteiligten Kinder?? Warum die Hochbegabten nicht? Was ist der Unterschied?
Der Unterschied ist, dass das Wissen und das Verständnis über Hochbegabung nach wie vor fehlt... In der Schweiz investiert man extrem viel Geld in die Förderung von Kindern mit Legasthenie, Diskalkulie, ADHS, ADS, einer Schreib- und/oder Leseschwäche, etc., etc. Das ist auch völlig legitim und OK. Nur Hochbegabte fallen immer und überall durch die Maschen...
Wäre es dabei nicht im Interesse eines Landes, eines Staates, die Talente zu fördern? Denn diese würden ja dann später dem Land womöglich viel bringen... sei dies in der Wissenschaft, in der Forschung, in der Kunst, im Sport... Talentförderung findet sowieso vorwiegend im Sport statt. Und auch da nur, wenn die Eltern in der Kindheit bereits sehr viel investiert haben, damit das Kind überhaupt als Talent erkannt werden kann. Doch gibt es nicht ganz viele Talente - nicht nur im Sport! - auch bei Kindern, die nicht aus begüterten Familien stammen? Diese bleiben einfach auf der Stecke... und das finde ich extrem schade...
Die Schweiz hätte so viel mehr Möglichkeiten. Gerade die Schweiz...
Lernen geht auch anders... Hier ein Vorschlag aus der Hirnforschung:
Wiederhole nach dem ersten Durchführen der neuen Bewegung oder nach dem ersten Mal lesen der Wörtchen oder des Textes genau diesen Ablauf nur im Geiste. Diesen Lerntrick kennen Profis bereits schon länger.
- Beim Erlernen neuer Bewegungen im Sport: Setze dich bequem auf einen Stuhl, oder lege dich hin. Schliesse die Augen und gehe in deinem Geiste die Bewegungen - ohne deine Muskeln zu bewegen - den Ablauf der Bewegungen nochmals durch. Tue dies regelmässig, bevor du die Bewegungen live das nächste Mal ausübst.
- Beim Büffeln von Wörtli, Texten, Matheaufgaben oder anderen Dingen ist es hilfreich, wenn du dir z.B. eine Wandtafel, einen Screen oder etwas ähnliches mental vorstellst, wo diese Inhalte aufgeschrieben sind. Wörtli stellst du dir am Besten in Form von Bildern vor inkl. Textur, Geruch, und passendem Gefühl. (Ein Apfel auf Französisch = la pomme, knackig rot und grün, hart, es spritzt wenn man hinein beisst und er schmeckt saftig und lecker.) Du kannst dir auch vorstellen, dass z.B. Daten, die du auswendig lernen sollst auf einer Timeline stehen oder du sogar in deinem Geiste diese Timeline abschreitest und die Ereignisse in Form von Bildern betrachtest. Der Fantasie sind theoretisch keine Grenzen gesetzt.
Damit erleichterst du deinem Gehirn die Arbeit sehr. Je mehr du mental die Bewegungsabläufe oder andere Übungen mit geschlossenen Augen durchgehst, umso besser. Wenn du dir dabei zusätzlich auch die Gefühle mental herbeiführst und dir vor dem inneren Auge vorstellst, was du dabei siehst, hörst oder riechst - noch besser! Oftmals helfen mentale Übungen vor dem zu Bett gehen - oder wenn du schon im Bett liegst - sehr, die Inhalte und Abläufe zu festigen.
