Bist du glücklich?

Die aktuelle Zeit macht mich sehr nachdenklich, aber auch ein bisschen sprachlos, weshalb ich mich lange nicht mehr gemeldet habe. Das liegt allerdings auch an anderen Gründen. Mich haben die letzten Tage - ja Wochen, dazu bewegt, mich intensiv damit auseinanderzusetzen, was Menschen glücklich macht, was ihnen Kraft gibt und woran sie wachsen. Und wann Menschen manipulativ, kriminell oder depressiv werden. 

Letzteres ist ein spannendes Phänomen, mit dem sich Psychologen, Hirnforscher und andere Wissenschaftler schon seit Jahren beschäftigen. Diese Thematik ist so vielfältig und tiefgreifend, dass ich sie hier nicht behandeln werde. 

Mich interessiert viel mehr, was es braucht um glücklich und zufrieden zu sein. Was macht dich glücklich - nachhaltig und tief im Herzen glücklich? Was gibt dir Halt und die Kraft weiter zu machen auch wenn es schwierig ist? 

 

Dazu gibt es zig Ratgeber, Berater und Therapeuten - ja einen eigenen Businesszweig, der Abhilfe verspricht. Doch halten die Versprechen auch einem Test stand oder sind es oft nur leere Floskeln und Geldmacherei? Ist Glück etwas sehr Individuelles, muss jeder selbst für sich herausfinden was in schwierigen Zeiten Mut und Kraft gibt, wie man Krisen überwinden kann, oder gibt es tatsächlich generell gültige Strategien? Ist es Veranlagung, Frage der Kultur oder gar erlernbar? Neben den vielen Glücks-Gurus, selbsternannten Spezialisten und Komiker gibt es einen extra Wissenschaftszweig - Die Glücksforschung - die sich intensiv damit befasst, Fakten und Zahlen zusammenzutragen, auszuwerten und herauszufinden, was es braucht, damit Menschen sich glücklich fühlen. Diese Wissenschaftler befassen sich mit Fragen wie 

 

  • was ist Glück überhaupt?
  • Wann empfinde ich Glück?
  • Wie lange hält es an und warum?
  • Warum gibt es Menschen, die glücklicher sind, als andere?
  • etc.


Ich möchte hier auch gar nicht allzu tief in die Materie eintauchen - aber einige Facts scheinen mir besonders erwähnenswert um sie zusammenzufassen. Ich selbst stecke gerade in einer tiefen Krise. Ich bin gerade mit vielen Hürden und Hindernissen konfrontiert. Es braucht mich. Meine Energietanks werden schneller geleert als gefüllt. Wann ist es zu viel? Wie vermeide ich das „Zuviel“? Und wie schaffe ich es, den Alltag zu bestreiten, für meine Familie da zu sein und trotzdem die Krise zu überwinden? Wie bringe ich Glücksempfinden ins Hier und Jetzt? Wie schaffe ich es, damit mich meine aktuellen Sorgen und Gedanken nicht auffressen, so sehr absorbieren und Überhand nehmen, dass ich in eine Depression abdrifte? Kann ich das überhaupt schaffen? Und was brauche ich - was braucht es, damit ich die Krise überwinde? 

Ich habe mich dabei gefragt, was die glücklichsten Menschen tagein tagaus machen. Erleben diese Menschen auch Krisen? Oder kennen sie sowas nicht? Aber viel wichtiger - was kann ich von ihnen lernen? 

„Das Glück ist ein Zwischending, ein hybrides Gemisch aus emotionalem Wohlbefinden und Zufriedenheit mit dem Leben.“ (Zitat: Daniel Kahneman, Mathematiker, Wirtschaftspsychologe und Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften) Das Glück ist ein subjektives Wohlbefinden, und subjektives Wohlbefinden ist Glück. Wichtig ist, dass es nicht nur aus einem, sondern aus drei Teilen besteht, nämlich:

1. Zufriedenheit
2. möglichst viele angenehme Gefühle empfinden: wie Vorfreude, Freude und Begeisterung
3. möglichst wenig unangenehme Gefühle empfinden: wie Angst oder Niedergeschlagenheit

 

Warum sind manche Menschen glücklicher als andere?

Daran sind in erster Linie die Gene Schuld. 50% des Glücks sind durch unsere Gene bestimmt, hat der amerikanische Glücksforscher Edward Diener herausgefunden. Nur magere zehn Prozent werden von äußeren Faktoren wie Einkommen, Bildung oder Familienstand beeinflusst. Die restlichen 40 Prozent sind dem eigenen Streben nach Glück vorbehalten. Aber diese 40% haben es in sich... 

Aber von Vorne: Das bedeutet also, entgegen der Meinung vieler Menschen, dass 50% unseres Glücksempfindens angeboren = genetisch veranlagt sind. Für viele mag das falsch klingen, denn Angeboren sind für sie Eigenschaften wie Augen- und Haarfarbe, wie wir aussehen, Schönheit, Intelligenz oder Dummheit. Das Glück ist für sie „etwas ganz anderes“, ein Begehren, die Erfüllung eines Wunschtraums, das Paradies, das es in der Welt nur zu suchen, zu finden und sich zu beschaffen gilt, auf keinen Fall aber etwas teilweise Angeborenes.
Je mehr happy Gen-Varianten wir von unseren Eltern geerbt haben, desto leichter fällt es uns, von Natur aus, uns wohl zu fühlen und glücklich zu sein. Wer ein glücklicher oder sehr glücklicher Mensch ist, hat im Augenblick der Befruchtung Glück gehabt.
   Das Sprichwort: „Jeder ist seines Glückes Schmied.“ ist dagegen falsch. Wer im Augenblick der Befruchtung „Saupech“ gehabt hat, der kann so fleißig schmieden wie er will, tut sich aber sehr viel schwerer glücklicher werden zu können. Zwar bekommt jeder für seine geleistete Schmiedearbeit seinen Lohn, aber keiner bekommt dafür einen Garantie-Abholschein für ein glücklicheres Leben. Unser Erbgut (Genom) ist geschehen und nicht mehr ungeschehen zu machen. „Die Würfel sind gefallen.“ Dabei ist die Natur weder gut noch böse, sie ist auch weder gerecht noch ungerecht. Sie teilt einfach aus - und zwar blindlings. (Zitat Dipl.-Kfm. Dipl.-Hdl. Bernd Hornung)

 

Das Glück entsteht im Kopf

Unser Gehirn ist das unvorstellbar komplexeste System im Universum, dessen Essenz – Kommunikation über Synapsen ist. Das heisst also konkret - Glück ist, wenn die Chemie im Hirn stimmt. Dazu braucht es einen bestimmten Cocktail an Botenstoffen. Wenn dieser Cocktail aus dem Gleichgewicht gerät - aus welchem Grund auch immer - kommt es häufig zu psychischen Störungen und Krankheiten. Hirnforscher haben in diesem Bereich in den letzten Jahren sehr viel Erkenntnisse gewonnen. Unter anderem, dass das glückliche Leben nicht so simpel ist, wie sie noch vor ein paar Jahren angenommen hatten. Wer mehr über Dopamin, Noradrenalin, beta-Endmorphin und Senatorin erfahren möchte kann hier weiter lesen. 

 

 

Macht Geld glücklich?

Eine Frage, die sich wohl alle fragen und seit Jahren zu Diskussionen führt, ist: „Macht Geld glücklich?“ - Und dazu gibt es sehr viele Mythen und Irrglauben. Zum Beispiel der beliebte Satz „Glück kann man nicht kaufen“ ist so einer. Denn Forscher haben bewiesen dass, je mehr Geld wir verdienen oder haben, desto größer sind unsere Chancen, dass wir glücklicher und zufriedener mit unserem Leben werden. Wie viel Geld wir verdienen beeinflusst die zwei Hauptspieler unseres Glücks und Wohlbefindens - nämlich die Zufriedenheit mit unserem Leben UND das Ausmaß unserer erlebten angenehmen/unangenehmen Gefühle - unterschiedlich: Mehr Geld zu verdienen macht uns bis zu einem bestimmten Sättigungspunkt zufriedener und glücklicher, ab dann aber nur noch zufriedener. Man muss nur genauer wissen, für was man sein Geld ausgibt, und wie viel Glück man dafür tatsächlich bekommt. Die Amerikaner sagen dazu locker: „Get more Bang for your bucks!“ Von wegen: „Glück kann man nicht kaufen!“ Wer es richtig ausgibt, kann sehr wohl Glück kaufen. „Wie die Leute ihr Geld ausgeben ist ähnlich wichtig für ihr Glück und Wohlbefinden, wie die Höhe ihres monatlichen Einkommens.“, schließen die drei Glücksforscher (Lee, Hall und Wood, 2018)

Andersherum gesehen ist ein geringes Einkommen und Vermögen oft Ursache für Unglücklichsein. Ein geringes Einkommen zu haben erhöht den empfundenen Schmerz, die empfundene Ungerechtigkeit, den Stress und als Folge daraus ergeben sich mehr Streit, Scheidungen, Krankheiten, etc. 

 

 

Wie beeinflusse ich jetzt also aktiv mein Glücksempfinden?

Ein glücklicher Mensch zu werden ist zu 40% selbst machbar! 
 
Das ist eine Menge, um nicht zu sagen „sensationell viel“ und liegt ganz in Ihrer Hand. Das Volkslied: „Froh zu sein bedarf es wenig, und wer froh ist, ist ein König.“ hat tatsächlich recht.
Doch wie geht das?
 
Jeder kann sein Wohlbefinden steigern und das schöne daran ist - wir bringen schon alles mit, was wir dazu brauchen!
 
Das Institut für Glücksforschung in München geht dabei davon aus, dass alle emotional aufgeladenen Erlebnisse von Natur aus leichter gelernt und besser gespeichert werden, als Erlebnisse ohne emotionale Aufladung. Andernfalls wäre die Menschheit gar nicht überlebensfähig und schon längst ausgestorben. Meist genügt schon ein einziges erfreuliches Erlebnis, und der „Glückshappen“ ist emotional gelernt und kann wochenlang leichter erinnert werden.  „Gedächtnis ist Herzenssache“, wusste schon vor mehr als 200 Jahren Johann Wolfgang von Goethe.

 

Es gibt auch verschiedene Meta-Studien, die analysiert haben, wie Übungen auf unser geistiges Wohlbefinden wirken. Neben Timing und Dosierung, Unterstützung von Aussen sind unter anderem auch unsere Einstellung - d.h. der Glaube daran, dass etwas wirkt, unsere Motivation und unser Wille ausschlaggebende Parameter, damit die Übungen Wirkung zeigen. Zudem wurde herausgefunden, dass zwei, drei oder mehr gleichzeitig abwechselnd durchgeführte Übungen eine stärkere Wirkung haben. Regelmässig glückssteigernde Übungen durchzuführen zahlt sich also aus! Dadurch haben wir mehr angenehme Gefühle, angenehmere Denk-, Benimm- und Verhaltensweisen, mehr Bedürfnisbefriedigung und Wohlbefinden, und dadurch bessere Beziehungen mit dem Partner, den Kindern, Freunden, Verwandten und Bekannten und Arbeitskollegen. Wer gute zwischenmenschliche Beziehungen hat, hat die mit Abstand ergiebigsten außerhalb von ihm sprudelnden Glücksquellen.

 

Übungen

Ich habe hier ein paar Übungen zusammen gestellt, die erwiesenermassen helfen, Glücksgefühle zu haben und die, bei regelmässiger Anwendung, auch nachhaltig wirken. Viele Philosophien aus anderen Kulturen bieten ebenfalls ganz tolle Übungsbeispiele. Denn der Wunsch nach Glück scheint so alt zu sein, wie es uns Menschen gibt...



  • Sich Sonnen und Bewegung in der Natur


Vitamin D hilft gegen schlechte Stimmung und Bewegung an der frischen Luft kurbelt die Serotonin-Produktion an.

Mich persönlich stärkt ein Spaziergang am Morgen im Wald/in der Natur extrem und gibt mir Kraft für den Tag. 

 

 

  • Atme!

Mit gezielten Atemtechniken lassen sich Sorgen, Schmerzen oder negative Gedanken gut kontrollieren. Mehr dazu findest du hier.

  • Meditieren


durch bewusstes Atmen, Musik hören oder sich in einer meditativen Tätigkeit versenken, entspannt. Mit Meditationstraining kann erreicht werden, dass störende Umweltreize ausgeblendet werden und man einen Zustand von Tiefenentspannung erreicht, der zu mehr Konzentration führt, ausgeglichener macht und ganz nebenbei das Immunsystem stärkt. Welche Meditationstechnik dir am besten liegt - das findest du am besten heraus, indem du verschiedene ausprobierst ;-)

 

Ich persönlich meditiere viel und gerne. Sei es im Stillen in meinem Meditationsraum, beim Kreativ sein wie Nähen - denn da kann man wunderbar meditieren, mit Körperübungen oder bei anderen Tätigkeiten.

 

  • Erinnern

 

Hol dir ein Stück von vergangenem Glück in deine Erinnerungen und schwelge darin! Dies lässt dein Glücksempfinden schlagartig hochschnellen. 

 

  • Farbe bekennen

Ist es draussen oder in dir drin grau in grau - bekenne Farbe! Farben haben verschiedene Auswirkungen auf unsere Stimmung. Nutze dieses Wissen ganz konkret. Hier geht es zu der Symbolik der Farben und wie sie auf uns wirken.

  • Tue dir etwas Gutes

 

Tue etwas das du liebst und gerne machst. Das kurbelt deine Glücksgefühle an und bringt die Botenstoffe in deinem Hirn so richtig in Schwung.

Verbringe Zeit mit Menschen, die dir gut tun, die du gerne magst und vor allem LACHT ZUSAMMEN! Denn Lachen bringt ganz viele Glücksbotenstoffe in Fahrt! Und dabei hilft es vielleicht auch, wenn man das Leben nicht immer so ernst nimmt und sich in jeder Situation überlegt "was ist das Gute an meiner aktuellen Situation?"

  • Sei dankbar für das was du hast

 

  • Lerne dich abzugrenzen und Nein zu Menschen und Ereignissen zu sagen, die dir nicht gut tun.

Höre auf Nachrichten zu lesen, wenn sie dir nicht gut tun. Höre auf zu Tratschen, befasse dich nur mit den Dingen und den Menschen, die dir gut tun. Lerne selbstbewusst für deine Energie und dich selbst einzustehen und auch öfters Nein zu Etwas und Jemandem zu sagen, wenn dies dir nicht gut zu tun scheint. Dazu gehört auch, sich selbst liebevoll und respektvoll zu behandeln, es nicht immer allen Recht machen zu wollen und sich selbst Pausen und Schwächen einzugestehen.

 

Mehr zur Selbstliebe findest du hier.

  • Sorge für guten Schlaf

 

  • Lerne zu verzeihen und loszulassen

Mehr dazu findest du hier

 

und hier

 

  • Richte deine Aufmerksamkeit absichtlich öfter auf das Gute, Wahre, Echte, Schöne und Angenehme

Positive Gedanken sind ein zentraler Punkt zum glücklich sein. Lerne deine Gedanken zu erfassen (besonders die, die dauernd ablaufen ohne dass es dir bewusst ist) und wenn sie oft negativ sind, lerne sie ins positive zu wandeln. Ganz bewusst. Dies bedarf ein bisschen Training und Hartnäckigkeit, aber es lohnt sich!

 

  • Erfreue dich am Kleinen um dich herum
  • Lebe im Hier und Jetzt und geniesse jeden Moment 

Ein traumhaft schöner Sonnenuntergang, das Lachen von Kindern, Begegnungen mit Tieren, schöne Blumen, Wetterphänomene, schöne Stunden mit einem geliebten Menschen, etc. Es ist so vieles um uns bereits vorhanden, das Glück spendet...

 

 

Texte zum Teil zitiert aus:

 

www.gluecksforschung.de

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Kommentare: 1
  • #1

    Dein Gott Christine (Montag, 13 Juli 2020 13:01)

    Die Frage nach dem Glück ist für mich nicht entscheidend, war es auch nie, fast nie. Das Glück ist flüchtig, kommt unverhofft und verweilt selten.
    Mein Leben ist bestimmt durch die Dankbarkeit! Immer wieder zähle ich mir auf, wie reich ich beschenkt werde: durch gesunde Nachkommen, freundschaftliche Begegnungen, durch die am Himmel ziehenden Wolken, durch den Sonnenaufgang, der Gesang der Vögel, schwimmen in einem See, ich könnte fast endlos aufzählen. Jeden Abend Bilanz ziehen und ich kann ruhig schlafen gehen. Von ganzem Herzen wünsche ich Dir viele Gründe zur Dankbarkeit und viel Humor für die tristen Dinge im Leben, die wir ebenfalls annehmen müssen. Alles Liebe Christine