Tagebucheintrag: Wie kann die Welt friedvoller werden?

Es scheint fast so als wäre mein Sohn momentan erwachsener als manch Erwachsener in der Schule… 

 

Die Lehrerinnen und die Schulleiterin wissen einfach zu wenig über das Wesen der Hochbegabten und Hochsensiblen. Sie versuchen das Kind einmalig mit einem Leckerli abzuspeisen und hoffen dann, dass es nun für Monate gesättigt ist. Doch wer sich auskennt weiss, dass dies oftmals nicht mal für einen Tag anhält. Das unermüdliche Verlangen nach Hirnfutter und Stimulation ist enorm hoch. Kein Wunder sind da Schulen und Eltern oft am Anschlag oder überfordert. 

 

Gratwanderung zwischen Zuversicht, Hoffnung und dem Glauben dass alles gut ist und gut kommt - und der Resignation, der Depression, der Hoffnungslosigkeit. 

 

Igel im Garten gefunden. Schlapp. Aufpäppeln. Seine Message ist passend - sich einigeln, die Stacheln zeigen und sich schützen ist angesagt. Mit etwas Geduld geht auch diese Phase vorbei. Im Moment übt die Schule Macht und Druck auf meinen Sohn aus. Wie erbärmlich! Sie benützen genau diese Werkzeuge, die uns so zu wider sind. Macht, Dominanz, Druck, Zwang. Die Lehrerinnen und die Schulleiterin scheinen gänzlich zu schreien -„wir sind die Grossen und du bist der Kleine - du musst dich anpassen, noch viel lernen und gehorchen. Wir haben alles unter Kontrolle und du hast nicht das Recht, das alles zu hinterfragen! Basta! Schnauze zu und unten durch, das musst du!„ 

 

Da kommt die Stufenlehre von Dabrowski sehr deutlich zum Tragen. Aber wenn die Erwachsenen dies nicht einsehen wollen, dann bringt alles Erklären und Intervenieren nichts.

 

Jetzt im Moment gerade bin ich auf der starken Seite. Ich glaube an mich und meine Fähigkeiten. Ich kann stark sein und wir halten dieses Drama aus und stehen es durch. Ich bin zuversichtlich. Das hängt auch mit meinem Zyklus zusammen. Die Hormone sind gerade günstig. 

 

An „guten Tagen“ gelingt es gut freundlich, liebevoll, friedvoll und respektvoll zu sein. Doch wie gelingt es in Phasen der Krise, wenn es schwierig ist und viele Emotionen hochkommen, in der Liebe zu bleiben und trotzdem nicht auszubrennen? 

 

Die Schwierigkeiten, die wir momentan mit der Schule haben, die zeigen, wie viele Fettnäpfchen Kommunikation bereit hält. Man könnte sagen dass wir eine misslungene Kommunikation hinter uns haben. Und die Schule ist nicht bereit, uns die Hand zu reichen und es kooperativ nochmals zu versuchen. Sie bocken. Sie halten an ihrem Standpunkt fest. Sind nicht bereit für einen Perspektivenwechsel.

 

Ich persönlich finde wieder Halt in den Lehren, in denen ich bereits mehrmals Halt gefunden habe. In der Meditation, im Zen-Buddhismus und in der Kontemplation. Im Handarbeiten, Kreativ-Sein, im Schreiben und Zeichnen. 

 

Doch wenn es rund um mich herum garstig ist, kann ich auch nicht immer genug Energie tanken um den Frust, die Wut und die Trauer von meinem Sohn abzufangen. Am Schwierigsten ist es immer dann, wenn auch noch mein Mann gegen mich schiesst. 

 

Erst wenn alle unsere Grundbedürfnisse gedeckt sind, sind wir in der Lage, anderen zu helfen, den Planeten zu retten, für andere da zu sein. Grundbedürfnisse sind nicht nur Essen, ein Dach über dem Kopf und soziale Kontakte. Reiche und mächtige Menschen sind sogar sehr häufig unzufrieden und unglücklich. Unter Grundbedürfnissen fallen auch die Liebe und das Verständnis. Nur wenn wir uns bedingungslos geliebt und verstanden fühlen, können wir auch kongruent und integer handeln. Es ist Verstehen, das wir am meisten brauchen - und Liebe. Wir brauchen auch Frieden und Geborgenheit - tiefen inneren Frieden. Wenn wir in Frieden sind, haben wir Klarheit und Ruhe und können den Weg vor uns erkennen. Ohne inneren Frieden ist es unmöglich für andere da zu sein und zu helfen. Auch innerhalb der eigenen Familie. Wir alle brauchen inneren Frieden, Verstehen und Liebe, das sind Grundbedürfnisse. Aber wenn ich mich umschaue und umhöre scheinen diese drei so zentralen Bedürfnisse überall zu fehlen. Kein Wunder widerspiegelt unsere Erde diesen Mangel! Mikro- und Makrokosmos. 

 

Wie können wir also - jeder einzelne und jede einzelne für sich selbst - Frieden, Verstehen und Liebe in sich selbst schaffen, so dass man es auch nach Aussen tragen kann? So dass man miteinander einen respektvollen, emphatischen und achtsamen Umgang pflegt? Ohne Gewalt, Machtspiele, Wettkämpfe und Ausgrenzung? Was braucht die Menschheit im Generellen um all diese negativen Emotionen umwandeln zu können? Ist das überhaupt zu schaffen und realistisch und von der Mehrheit gewollt? 

 

Es ist jedem von uns möglich, ein Gefühl von Frieden, Liebe und Mitgefühl in sich zu kultivieren. Zuerst müssen wir lernen uns selbst bedingungslos zu lieben und mit uns selbst in Frieden zu sein. Dies kann man durch Meditation erreichen. Durch tiefes in sich gehen, schauen, hören, fühlen. Natürlich gibt es auch andere Wege. Für mich ist die Meditation die Beste.

 

 

 

Es beginnt mit der Wahrnehmung von Körper und Geist. Mit dem achtsamen Umgang mit unseren Gedanken und Gefühlen. Wir leiden alle körperlich oder seelisch manchmal, manche unter uns dauernd. Nur wenn wir lernen dieses Leid zu sehen, anzuerkennen und zu transformieren, nur dann können wir Liebe und Frieden für und mit uns selbst und mit unseren Mitmenschen empfinden. 

 

Nur wenn wir den Mut haben, unserem eigenen Leiden zu begegnen, können wir die Klarheit und das Mitgefühl entwickeln, das es in der heutigen Zeit so sehr braucht. Wir können lernen das Leiden in Freude und Glück zu verwandeln. Manchmal braucht es dazu gar nicht viel. Ich zum Beispiel empfinde tiefe Freude, wenn ich Tiere beobachten darf, wenn ich im Wald dem Gesang der Vögel lausche und die Fülle der Pflanzenwelt in mich aufsaugen kann. Der Duft, die Pracht. Herrlich! 

 

Yogis, Meditierende oder andere Meister sind Künstler und Künstlerinnen, die wissen, wie sie mit Schmerz, Angst und anderen schwierigen Emotionen umgehen können. Sie sehen sich nicht als Opfer. Sie wissen, dass sie etwas tun können. Das immer präsent zu haben, das ist die Kunst - besonders in Krisensituationen, wenn es rundherum garstig ist. 

 

Mit „in-sich-hinein- hören“ und mit Atemtechniken und einer Portion Übung - gelingt das. Jedem. 

 

Woher kommt mein Leiden? Manchmal spüren wir das Leid unserer Vorfahren, Mitmenschen oder von Pflanzen und Tieren. In der Meditation sage ich „ Hallo meine Angst, hallo meine Wut , meine Verzweiflung (oder was da gerade ist.) ich werde mich gut um dich kümmern. Schön dass du dich zeigst.“ und ich umarme das Gefühl das da ist. In dem Moment, indem ich das Gefühl anerkenne, ihm zulächeln und es an mich nehmen, wird es beginnen sich zu wandeln. Das ist das Wunder der Achtsamkeit. So kann es sich transformieren. Wir brauchen keine Angst vor diesen Gefühlen zu haben und davor sie „zu fühlen“. Allzu oft flüchten wir in Ablenkung oder versuchen das Gefühl zu verdrängen. Doch damit ist es nicht einfach weg - im Gegenteil. Es brodelt sich zu einem bösen Hexentrank in unserem Innern zusammen. Und irgendwann explodiert es. 

Diese einfache Übung können wir auch kleinen Kindern bereits beibringen und zusammen mit ihnen praktizieren. 

 

Vieles abgewandelt zitiert aus dem Buch Zen, und wie wir die Welt retten können“. 

 

EVE-ON

Yvonne Hiltebrand

Rebweg 8, 8181 Höri

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