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Erschöpfte Selbstkontrolle

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Ich lese gerade das Buch schnelles Denken, langsames Denken von Daniel Kahnemann. Darin bin ich über den Begriff "Ego-Depletion" gestolpert. Ego - WAS?? 

 

Ja genau Ego-Depletion... (erfinden wir Menschen nicht oftmals ganz lustige Begriffe hmm?)

 

Aus Wikipedia:

 

Bei dem Begriff Ego-Depletion (von lateinisch; ego "ich" und neulateinisch; depletio "Aderlass", zu deplere "ausleeren" - hier im Sinne von Selbsterschöpfung) handelt es sich um ein Paradigma aus der Sozialpsychologie für den Bereich selbstregulatorischen Verhaltens.

 

Die zentrale Aussage des Ego-Depletion-Modells ist, dass die Fähigkeit zur Selbstkontrolle von der Willenskraft einer Person abhängt, die von einer allgemeinen (Selbstregulations-) Ressource gespeist wird. Die Ressource wird durch aufeinanderfolgende psychische Aufgabenstellungen, welche Willenskraft erfordern, verringert oder gar aufgezehrt, und zwar unabhängig von sonstigen Einflussfaktoren, also etwa körperlicher Erschöpfung.

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Ego-Depletion ist ein Phänomen, das beschreibt, dass die Fähigkeit zur Selbstkontrolle nach dem Ausüben von Selbstkontrolle erschöpft sein kann. Das bedeutet, dass es uns nach einer anstrengenden Aufgabe schwerer fällt, uns zu konzentrieren, Impulsivität zu kontrollieren und gute Entscheidungen zu treffen. 

 

Daniel Kahnemann erklärt dies unter anderem folgendermassen:

 

<<Das Nervensystem verbraucht mehr Glukose, als die meisten anderen Körperteile. Und anstrengende mentale Aktivität scheint in der Glukosewährung besonders teuer zu sein. Wenn sie intensiv über ein schwieriges Problem nachdenken, oder eine Aufgabe ausführen, die Selbstkontrolle erfordert, sinkt ihr Blutzuckerwert. Der Effekt ist ganz ähnlich, wie bei einem Läufer, der bei einem Sprint, die in seinen Muskeln gespeicherte Glukose aufbraucht. Verschiedene Tests von Psychologen haben ergeben, dass durch Zuführung von Glukose die Effekte der Ego-Depletion rückgängig gemacht werden könnten.>>

 

 

Gerade hochbegabte Kinder sind oftmals mental sehr aktiv. Das bedeutet, dass sie schneller Glukose verbrauchen, als andere Kinder und demzufolge auch einen grösseren Bedarf nach Glukose haben. Das kann ich bei meinem Sohn sehr oft beobachten. Wenn er zu wenig gegessen hat, dann hat er starke Stimmungsschwankungen, neigt zu Impulsivität, Wutanfällen, will sich nur zudröhnen - sei dies mit Videos kucken oder ungesundem stark industriell verarbeitetem Essen, und ist nicht fähig sinnvolle und überlegte Entscheidungen zu treffen. Zudem neigt er dann zu "Tollpatschigkeit", was zu gehäuften Unfällen führt. 

 

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Wenn er hingegen gesund - das heisst frisch, vollwertig und vielseitig gegessen hat, dann ist er ausgeglichen, voller Energie und sprüht nur so vor Kreativität.

 

Wenn wir also durch mentale Aktivität genausoviel Glukose verbrauchen, wie bei einem Sprint, dann ist es nichts als logisch, dass wir auch schneller erschöpft sind und uns nicht mehr so gut konzentrieren können. Ausschlaggebend scheint mir hierzu jedoch, dass nicht alle Menschen gleich schnell den Glukosespeicher aufbrauchen. 

 

Daher ist es - gerade auch im Schulumfeld - wichtig, dass Kinder (und natürlich auch Erwachsene) regelmässig und genug Glukose zu sich nehmen, damit sie den Schulalltag konzentriert und leistungsfähig meistern können. Zu viel Zucker führt bei vielen Kindern zu übermässiger Unruhe, Konzentrationsstörungen, nicht still sitzen können und Hyperaktivität. Bei hochbegabten Kindern hingegen ist das umgekehrt. Sie brauchen vermehrt Gluckose, um leistungsfähig und konzentriert arbeiten zu können. Es ist also essentiell für Eltern und Lehrpersonen, dass sie herausfinden, wie der Stoffwechsel der Kinder funktioniert und dies dann entsprechend anpassen. 

 

Natürlich ist es auch hilfreich, wenn wir das von uns selbst genau wissen ;-)

Zu einem ähnlichen - passenden Thema habe ich kürzlich einen Artikel gelesen, den ich hier gerne erwähnen möchte: 

Gerechtigkeit ist das, was der Richter zum Frühstück gegessen hat...

Was wie ein schräger Spruch klingt, beschreibt tatsächlich eine verblüffende wissenschaftliche Entdeckung, bekannt als der "Hungry Judge Effect". Der israelische Verhaltensforscher Shai Danziger und sein Team haben in einer Studie 2011 dieses Phänomen entdeckt und festgestellt, dass Richterinnen und Richter, die eine Weile nichts gegessen hatten, deutlich strenger bei ihren Entscheidungen waren: Je länger die letzte Essenspause zurücklag, desto härter und weniger nachsichtig waren sie bei Bewährungsanträgen. Nach der Pause änderte sich das Bild jedoch und plötzlich wurden bis zu zwei Drittel der Anträge genehmigt! Dieser Hungry Judge Effect zeigt, dass Hunger und Erschöpfung ganz unbewusst eine grössere Rolle bei Entscheidungen spielen, als man vermuten würde. Selbst bei erfahrenen Richtern!

 

Wäre es da vielleicht sinnvoll für Lehrpersonen, darauf zu achten, dass sie Prüfungen erst dann korrigieren, wenn sie etwas gegessen haben?... Und dass sie Kinder die Prüfungen schreiben lassen, wenn diese wohlgenährt im Schulzimmer sitzen...?

 

EVE-ON

Yvonne Hiltebrand

Rebweg 8, 8181 Höri

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