Unterforderung führt bei Hochbegabten zu Stress und psychischen Problemen

Wenn die Welt Kopf steht...

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Es ist eine Wohltat, wenn man so sein darf, wie man ist. Lucy Maud Montgomery

 

Unterforderung und Überforderung - was ist das überhaupt?

Überforderung

Überfordert zu sein bedeutet, dass es an Ressourcen fehlt, Aufgaben bewältigen zu können. Beim einzelnen Menschen, bei einem Team, bei einer Organisation oder in einem System. Man verfügt weder über die nötige Leistungsfähigkeit, noch über bestimmte Fähigkeiten oder Anforderungen mit all den Aufgaben, die man bewältigen sollte, fertig zu werden. 

 

Bei Kindern in der Schule zeigt sich dies dadurch, dass gewisse Aufgaben, Hausaufgaben oder Themen nicht gelöst werden können, weil das Kind entweder (noch) nicht über das Wissen und die Strategien verfügt, um die Aufgaben lösen zu können, oder weil ein anderes Problem vorliegt. Oftmals ist es auch einfach ein "Zuviel" an Aufgaben. 

 

Am Arbeitsplatz oder in der Schule zeigt sich Überforderung auch oft dadurch, dass unkonzentriert, fahrig und planlos gearbeitet wird. Manche Menschen verbringen sehr viel Zeit mit den Aufgaben, kommen trotzdem nicht vom Fleck, andere zeigen Frust oder andere Emotionen. Es passieren viele Fehler und Aufgaben werden oftmals nicht fertig gestellt, Mails spät oder gar nicht beantwortet, etc. (diese Beschreibung ist natürlich nicht komplett und abschliessend)

 

Bei Menschen mit Overexcitabilities zeigt sich eine Überforderung oft in Überreizung. Sensible Menschen sind dann überfordert mit Reizen, Sinneseindrücken, Lärm, zu vielen Menschen, grässlichen Gerüchen, Wettereinflüssen, u.v.m. Diese Überforderung ist nicht weiter tragisch, sofern der Mensch den Reizen, die zur Überforderung führen, entfliehen kann. 

 

Eine andauernde Überforderung aufgrund von Arbeitsüberlastung ist hingegen sehr schlimm und kann genauso zu psychischen Problemen führen, wie eine andauernde Unterforderung. 

Unterforderung

Unterforderung bedeutet, dass der Mensch seine Fähigkeiten, Qualifikationen, sein Wissen, seine Kreativität, sein vernetztes Denken und sein Engagement nicht vollends nutzen und zeigen kann und dass ihn dies frustriert und belastet. Diese Menschen könnten viel mehr leisten und erreichen, doch es fehlen die nötigen Herausforderungen, das nötige Hirnfutter und passende Aufgaben. Sie empfinden oft Langeweile und haben alle ToDos weit vor der Deadline erledigt. Die freien Kapazitäten bleiben unbenutzt und es kommt oft zu Leerläufen. 

 

Man kann zwischen quantitativer und qualitativer Unterforderung unterscheiden. Quantitativ bedeutet, dass diese Menschen nicht genügend Aufgaben und Arbeit haben. Qualitative Unterforderung bedeutet, dass es an Inhalt fehlt. D.h. die Aufgaben sind deutlich unterhalb der Kompetenzen der Person. Unterforderte Menschen erscheinen manchmal desinteressiert, trotzig, sperrig oder bockig. Dies rührt von der chronischen Unterforderung her. "Für was soll ich mich noch anstrengen? Es ist ja sowieso alles sooooo langweilig..."

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Während man eine mögliche Überforderung oftmals sehr deutlich erkennt, kann die Unterforderung oftmals unentdeckt bleiben. Menschen die leistungsstark sind (Kinder bringen in der Schule gute Noten nach Hause) fallen oft durch die Maschen, weil sie ja gut sind. Es gibt aber auch die Menschen, die aufgehört haben, Leistung erbringen zu wollen. Sie haben bereits resigniert und leisten viel weniger, als sie eigentlich könnten. 

 

Beides - Unterforderung sowie auch Überforderung - kann psychisch krank machen. Ich persönlich hatte bereits je einen Seeleninfarkt aufgrund von Überforderung und grausamer Unterforderung im Job. Die Überforderung war allerdings nicht der Menge der Aufgaben geschuldet, sonder rührte von emotionaler und seelischer Belastung her. Damals wusste ich noch nichts von meiner Hochbegabung oder von der Unterforderung. Ich fühlte mich ganz einfach gestresst, gelangweilt und ich dachte, mit mir stimme etwas nicht, weil alle meine Arbeitskolleginnen und -kollegen keine ähnlichen Symptome aufwiesen. Im Gegenteil, bei denen zeigte sich die Überforderung oft sehr deutlich. Wo ich mit meiner Arbeit innerhalb kürzester Zeit fertig war, brauchte eine Arbeitskollegin für die selbe Arbeit mindestens doppelt so lange und war total gestresst von der Art der Aufgabe. Das führte bei mir zu Frust, da ich auf sie warten musste, und zu Unverständnis. (warum braucht sie so lange, das ist doch so einfach!!) Auch Chefs, die mich ausgebremst haben, die womöglich vor mir "Angst" hatten im Sinne von "sie könnte besser sein als ich", habe ich zur Genüge erlebt... komischerweise immer mit männlichen Vorgesetzten...

 

Da ich nichts von meiner Hochbegabung wusste (davon weiss ich erst seit ca. 7 Jahren), dachte ich immer, mit mir sei etwas nicht in Ordnung. Ich fühlte mich immer sonderbar, als Alien in der Arbeitswelt... Ich habe mich angepasst (bereits in der Kindheit), ich war still, fleissig, so unsichtbar wie möglich. Ich habe funktioniert. Mehr aber auch nicht!! Ich lieferte Ergebnisse. Gute Ergebnisse. Ich war auch ehrgeizig. Bis die Unterforderung Überhand nahm. Innerlich begann etwas in mir zu sterben. Mein Selbst... meine Motivation. Wo ist der Sinn in alldem?? Wofür mache ich das, wenn meine Bemühungen sowieso unsichtbar bleiben? Wenn ich als Frau sowieso nicht weiter aufsteigen kann in der Hierarchie? Wenn mir ein Studienabschluss fehlt? Immer fehlte es an einem Diplom, um zu beweisen, dass ich die Fähigkeiten aufweisen konnte...

 

"Sei doch froh, dass dir immer alles so leichtfällt"... ein toller Satz. Ich weiss - viele Leute würden sich wünschen, dass ihnen gewisse Dinge leichter fallen mögen. Doch wer noch nie eine Unterforderung erlebt hat, weiss nicht, wie grausam sich das anfühlt. Wir würden uns wünschen, dass es uns nicht immer so leicht fallen würde!!! Es geht nicht um Langeweile oder "dass es einem leicht fällt." Es geht um Persönlichkeit, um Identität, um Nahrung. Grundnahrungsmittel. Hirnfutter... Unterforderung frisst sich in die Seele, sie raubt die Substanz, das Konstrukt, aus dem wir gemacht sind. Unterforderung ist Stress pur. Stress ohne Aktivität. Lethargischer Stress. Null Reize. Null Stimulation. Null Druck. Zu wenig Hirnfutter für ein Gehirn, das für Tiefe, Herausforderungen, knifflige Aufgaben und vernetztes Denken gemacht ist.

 

 

Wie fühlt es sich an, stark unterfordert zu sein?

 

  • man hat ein hohes Stresslevel (Verspannte Muskeln, Zähneknirschen, Verdauungsbeschwerden, Kopfschmerzen, Hautprobleme, Mangel an Vitalstoffen, weniger starkes Nervenkostüm, etc.)
  • man hat keine Lust auf nix
  • man ist lethargisch und antriebslos, alles erscheint sinnlos
  • man hat keinen Appetit und oftmals körperliche Zipperlein
  • man ist Ideenlos und träge, erschöpft, lustlos
  • alles ist egal
  • tägliches, leises verschwinden von Lebendigkeit
  • das Denken verhungert, weil es zu lange nichts bekommt, wofür es sich lohnt, zu denken
  • man meidet den Kontakt zu Menschen, isoliert sich
  • man ist unmotiviert
  • man kann nicht mehr klar denken, alles ist vernebelt und grau
  • man ist melancholisch bis depressiv verstimmt
  • man hat Schlafstörungen und etliche (oft negative) Gedanken kreisen einem im Kopf herum
  • man ist nicht glücklich und sehr unzufrieden
  • man will sich zudröhnen, mit Filme kucken, melancholischer Musik oder Genussmittel
  • die Welt erscheint gefährlich, grau und eintönig (auch diese Liste ist nicht abschliessend)

Wenn hochbegabte Menschen in einem System feststecken, das sie ständig ausbremst, verlieren sie nicht nur die Lust am Lernen, Arbeiten, Sein, sondern sie verlieren manchmal auch sich selbst...

 

Auch mein Sohn leidet regelmässig an Unterforderung. Wie sich dies auswirkt beschreibe ich weiter unten etwas detailreicher.

Was bedeutet es weder über- noch unterfordert zu sein?

Wie fühlt es sich an, weder unter- noch überfordert zu sein? Für mich bedeutet dies: 

 

  • man sprüht vor Tatendrang
  • man ist voller Energie und Vitalität
  • man hat unglaublich viele tolle Ideen und kann dies auch gleich in die Tat umsetzen
  • man sieht Zusammenhänge, Lösungswege und Verbindungen klar vor sich und kann sie vernetzen
  • man ist extrem leistungsstark und kann stundenlang an einer Aufgabe dran bleiben - bis sie perfekt und spruchreif ist. Dann spürt man keine Müdigkeit oder Erschöpfung
  • man fühlt sich glücklich und zufrieden, ausgeglichen
  • man verfügt über eine enorme intrinsische Motivation
  • man lernt spielerisch und autodidaktisch
  • man ist humorvoll, lustig und unterhaltsam
  • man fühlt sich ausgeglichen
  • das Nervenkostüm ist belastbar und stark
  • die Welt ist schön und voller Verheissungen
  • positives Denken fällt leicht
  • man hat einen gesunden Appetit
  • man hat eine gesunde Verdauung, ganz im Allgemeinen fühlt man sich gesund
  • man fällt am Abend glücklich ins Bett und schläft einen gesunden Schlaf

Hochbegabte Menschen sind keine Besserwisser! Sie sind Mehr-Denker... Um zu verhindern, dass sie in die Nöte der Unterforderung fallen, braucht es Mut, klare Kommunikation, Offenheit und einen Perspektivenwechsel vom Umfeld...

Unterforderung bei hochbegabten Kindern

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Hochbegabte Menschen lernen oft schneller, denken komplexer und holistisch und haben ein tiefes Bedürfnis nach Sinn, Logik und Herausforderungen. Wir BRAUCHEN geistige Herausforderungen, um glücklich und ausgeglichen zu sein!!

 

Wird dieses Bedürfnis nicht erfüllt, stellt sich das Gegenteil von Motivation ein - die Langeweile. Eine kurze Zeit in Langeweile zu verharren kann ganz OK sein. Doch die Dauer-Langeweile ist überhaupt nicht OK und auch nicht harmlos!! Kinder, die in der Schule einer dauernden Unterforderung ausgesetzt sind, leiden. Oftmals leiden sie sehr stark! Dies kann sich zeigen in:

 

  • Verhaltensauffälligkeiten - sie stören, sie machen Witze, sie fordern heraus und provozieren, sie sind laut, sie spielen den Klassenclown, etc.
  • Rückzug - sie gelten als Tagträumer, erscheinen immer müde, zeigen Desinteresse, scheinen immer abzudriften und nicht zuzuhören, sie sind lethargisch, wollen sich zudröhnen (mit Filme kucken, gamen, essen, einkaufen,...), Unkonzentriertheit, Zerstreutheit 
  • Perfektionismus - Sie nehmen sich sehr viel Zeit, um alle Wörter wunderschön zu schreiben. Oder "Ich mache lieber nichts, bevor ich etwas falsch mache" ist eine typische Aussage
  • Motivationsverlust - "Wozu lernen, wenn es eh nichts bringt?"
  • Fordern sehr laut neues Hirnfutter - Extremer Drang nach Neuem, Unbekanntem, sofort und jeeeetzt gleich muss neues Hirnfutter her... können darin sehr penetrant sein...

Die Unterforderung von Mädchen und Jungen zeigt sich unterschiedlich. Deshalb muss man da manchmal ganz genau hinschauen und hinhören... Für beide gilt jedoch - Unterforderung und Langeweile sind nicht "das kleinere Übel" als Überforderung oder Defizite, sonder sie sind stille Lernkiller und machen Menschen krank. Hochbegabte Kinder sollen genauso das Recht auf Förderung im Unterricht haben, wie Kinder mit Defiziten. Und es genügt oftmals nicht, an einem Nachmittag in der Woche eine Förderlektion besuchen zu dürfen... Sie brauchen dauernd im Unterricht, täglich - ja stündlich - Förderung...

Mein Alltag ist geprägt davon, Hirnfutter für meinen Sohn zu organisieren. Vor allem, weil er in der Schule regelmässig unterfordert ist. Es gibt Phasen, da läuft es gut in der Schule und er kommt ausgeglichen und happy nach Hause. Dann kann es vorkommen, dass er zu Hause aus freien Stücken nochmals zwei Stunden am erarbeiteten Thema der Schule weiterarbeitet. Forscht, liest, schreibt, rechnet, zeichnet - etc. Meistens ist es aber anders... dann kommt er frustriert nach Hause, mag nichts essen und will sich nur mit gamen oder Filme kucken zudröhnen.

 

Wenn ein Thema, abgeschlossen ist, dann ist es nicht mehr von Interesse. Schon kommt das nächste Thema um die Ecke geflitzt und will bis ins tiefste Detail erfahren, erlebt, erprobt, erlesen, erforscht werden. Irgendwann ist dann auch dieses Thema "fertig" so wie ein ausgelatschter Schuh. Was wird dann kommen? 

 

Es ist extrem herausfordernd für mich und auch für meinen Sohn. Es ist täglich eine Gratwanderung zwischen Balance, Unterforderung und Überforderung. Und das nötige Hirnfutter zu beschaffen kostet oftmals nicht nur Geld, sondern ist manchmal auch schlichtweg nicht möglich. Was dann?

 

Die Unterforderung wird womöglich immer wieder ein Begleiter in unserem Leben sein. Es gilt also Strategien zu erarbeiten, wie wir sie schnell erkennen, um dann Auswege zu finden... Gerade im Zusammenhang mit der Schule ist dies nicht immer einfach. Manche Lehrpersonen sind nicht offen dafür, dauernd von Eltern "belästigt" zu werden, weil das Kind "schon wieder" unterfordert ist. Die Unterforderung eines Kindes kann mitunter zur Überforderung der Lehrperson oder der Eltern führen. Eine Zwickmühle...

Warum Langeweile schädlich ist...

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Langeweile ist nicht nur ein kleines Übel, das man ab und an aushalten muss, um in die Kreativität zu kommen (wie das manche Erziehnungsberater/innen propagieren). Langeweile ist deshalb für Hochbegabte schädlich:

 

  • Stagnation - Das Gehirn wird nicht gefordert, Fähigkeiten verkümmern. 
  • Innere Kündigung - Die Schule (oder die Arbeitsstelle) wird als Ort des Frusts statt als Inspiration erlebt. Man hängt innerlich ab und hat innerlich bereits vor langer Zeit die Arbeitsstelle (oder die Schule) verlassen. (Schulabsentismus als Stichwort)
  • Selbstzweifel - Langeweile kann zu sehr vielen Selbstzweifeln, zu einem gestörten Selbstbild und zu fehlender Selbstachtung führen. "warum macht das keinen Spass? Alle anderen Kinder stören sich nicht daran. Bin ich zu dumm? Was stimmt mit mir nicht? Warum kann ich nicht einfach sein, wie alle anderen?"
  • Fehlende Resilienz - Wer nie gefordert wurde, kann später schlecht mit echten Herausforderungen umgehen. 

Kinder, die in der Schule nie gefordert waren, immer gute Noten hatten, obwohl sie nie lernen und Hausaufgaben machen mussten, können später plötzlich auf die Welt kommen. Solche leistungsstarke, aber unterforderte Kinder lernen das Lernen nicht im Primarschulalter und sind dann in der Kantonsschule, in der Lehre oder im Studium plötzlich komplett überfordert, weil sie nicht mehr so gute Noten mit nach Hause bringen, aber nie Strategien gelernt haben, wie sie lernen könnten oder wie sie ihre Arbeit planen sollten. Dies hat zusätzlich verheerende Auswirkungen auf ihr Selbstbild und ihren Selbstwert...

 

Wer vertraut ist mit den Erzählungen über Sherlock Holmes von Arthur Conan Doyle, der kennt die Beschreibungen nur zu gut, wie es Sherlock geht, wenn er unterfordert und gelangweilt ist... Sherlock greift zuweilen zu Drogen, um aus der Langeweile zu flüchten. Wir wünschen uns alle, dass unsere Kinder nicht zu solchen Mitteln greifen mögen... Vielleicht ist es deshalb sinnvoll, bereits jetzt - im Kindeshalter - genauer hinzuschauen...

Was hilft gegen Unterforderung?

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  • Frühzeitige Erkennung von Hochbegabung... Eine Diagnostik kann unglaublich viel bewirken! Mir hätte es in meinem bisherigen Leben unglaublich viel Leid erspart und Jobs erleichtert, hätte ich früher davon gewusst... 

 

  • offene Kommunikation mit Lehrpersonen, Vorgesetzten, etc., damit der/die Hochbegabte adäquate Aufgaben bekommt. Wir müssen vom Klischee-Denken wegkommen und anerkennen, dass es Menschen mit Hochbegabung gibt, und dass diese besondere Bedürfnisse haben. Wenn hochbegabte Menschen adäquate Aufgaben mit Sinn und Freiheiten bekommen, dann können sie zu ihren Höchstleistungen aufblühen - was für die Klasse, die Schule oder den Arbeitgeber ein grosser Gewinn sein kann!!

 

Kinder brauchen Aufgaben, die über das Klassenniveau hinausgehen. Aber sie brauchen nicht mehr (quantitativ) vom Gleichen, sondern mehr Inhalt, mehr Tiefe, anders - vernetzter. Sie finden Freude an Projektarbeiten und freien Lernzeiten. Selbstgewählte Themen, kreative Projekte oder forschendes Lernen bieten Raum für Entfaltung. Und sie brauchen dies im täglichen Unterricht. Der Unterricht muss für solche Kinder angereichert werden. Sonst sterben sie vor Langeweile... besonders wenn sie dauernd auf langsamere Kinder in der Klasse warten müssen und in der Gruppe Themen erarbeiten müssen, die sie schon längst kapiert haben...

 

Am Arbeitsplatz braucht ein hochbegabter Mensch Herausforderungen. Jobs, die eintönige, einseitige oder sich immer wiederholende Aufgaben beinhalten, sind nicht geeignet... Doch in einer Gesellschaft, wo nur Diplome und Zeugnisse zählen und man nur anhand von vorgewiesenen Anforderungen jemanden einstellt, ist es für manch hochbegabte Person schwierig, etwas Passendes zu finden. Insbesondere dann, wenn sie aufgrund von Schwierigkeiten in der Schule keinen Hochschulabschluss vorweisen können. 

Ein Exkurs in unser Gehirn...

Nur manche Hochbegabte reagieren auf Unterforderung mit Problemen in der Schule. Ein Blick ins Gehirn zeigt, weshalb dies so ist...Womöglich liegt es daran, dass jeder emotional unterschiedlich mit Unterforderung umgeht. 

 

Im Fokus steht dabei die Amygdala. Dieser Kern im Emotionszentrum des Gehirns, dem limbischen System, hat die Aufgabe, Informationen aus dem Alltag innert Millisekunden nach einem ganz einfachen Muster zu sortieren: angenehm oder unangenehm? Gefährlich oder ungefährlich? Bedeutsam oder unwichtig? Dabei ist die Amygdala vor allem bei negativen Emotionen aktiviert. 

 

Die Vermutung: Bei Hochbegabten mit Schulproblemen ist die Amygdala tendenziell stärker aktiviert, als bei erfolgreichen Hochbegabten. Ist diese Region aktiviert, so löst sie eine körperliche Reaktion wie Schwitzen oder eine flachere Atmung aus. Die Amygdala signalisiert dann in gewisser Weise: Unangenehm! Gefahr! Aufgepasst! Mit anderen Worten: Stress. 

 

Für Hochbegabte mit Schulproblemen, so die Vermutung, ist eine Unterforderung also belastender als für Hochbegabte, die in der Schule reüssieren. Sie reagieren rein physiologisch stärker darauf, nehmen dies aber nicht bewusst wahr. Sie haben dann Stress, ohne den Stress zunächst erleben oder gar benennen zu können. Erstreckt sich die Unterforderung über mehrere Monate und länger, gelangen sie in einen belastenden Zustand, den die Lehrpersonen, Eltern oder Schulpsychologen häufig als "Leidensdruck" bezeichnen. 

 

Zitiert aus: www.zuugs.hfh.ch - den ganzen Artikel dazu findet ihr hier