Wenn jemand hört, dass eine Person hochbegabt ist, dann werden sofort Clichés aktiviert:

Hier einige Beispiele von Sätzen, die ich zu hören bekommen habe:
- Ein Hochbegabter hat überall gute Noten. Wenn er schlechte Noten schreibt, dann kann er ja gar nicht hochbegabt sein!
- Wenn jemand die Gymiprüfung nicht besteht, der behauptet hochbegabt zu sein, dann lügt er!
- Wenn jemand die Gymiprüfung schaffen kann, dann nur der Hochbegabte.
- Hochbegabten fällt alles in den Schoss. Ihnen fällt alles leicht. Sie sind verwöhnt und brauchen deshalb keine Unterstützung
- Hochbegabte sind privilegiert und werden bevorzugt.
- Hochbegabte sind die Lieblinge der Lehrperson und deshalb werden sie bevorzugt.
- Streber
- Hochbegabte müssen nicht lernen.
- Ein Mädchen kann nicht hochbegabt sein.
- Jemand, der Mathe nicht versteht, kann nicht hochbegabt sein
Hochbegabte (HB) Kinder werden auf Grund ihrer Reaktionen, Wertehaltungen und Idealen oft missverstanden, vor-verurteilt und schubladisiert. Hier einige typische Konflikte, die entstehen können mit Eltern oder Lehrpersonen.
Das Kind ist ungehorsam, frech, will sich nicht unterordnen —> es erfährt von den Eltern, Bezugs- oder Betreuungspersonen oder Lehrpersonen Strafe, Kritik und Ablehnung. Dies führt beim Kind dazu, dass es sich verschliesst, zurück zieht und im schlimmsten Fall psychisch erkrankt. Hier einige Vorwürfe, die wir bereits persönlich gehört und erlebt haben:
- Vorwurf „Egoismus“:
Das Kind will sich immer durchsetzen, es sei sozial unreif, es könne nicht abwarten, es habe keine Geduld, es denke immer nur an sich, es könne nicht teilen, es könne nicht mit Gleichaltrigen spielen und sondere sich ab, etc.
Erklärung: —> Dies ist bei HB Kindern der Ausdruck für gute Selbstfürsorge! Es spürt was es will und was ihm gut tut und vermittelt dies sehr deutlich.
- Vorwurf „Grenzen“:
Das Kind sei ungehorsam, es akzeptiere keine Autoritäten und Grenzen, es sei tyrannisch gegen seine Eltern und Lehrpersonen - ja gegen alle!, es sei asozial, es ärgere alle, es könne sich nicht unterordnen, es wolle alles bestimmen, es akzeptiere kein „Nein“, es wolle Erwachsene bloss stellen, es sei besserwisserisch, altklug, eigenwillig und rechthaberisch
Erklärung: —> Dies ist der Ausdruck vom „Denken über das Denken“, die Freude an der Streitkultur, das Streben nach Autonomie, Wissen und der Neugierde. Auch das Hinterfragen von Allem gehört hier dazu. Es ist der Ausdruck von „sich gleich wert fühlen wollen wie die Erwachsenen“. Für HB gibt es keinen Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen. Deshalb verstehen sie es auch nicht, wenn jemand diesen Unterschied so extrem betonen will.
Vorwürfe wie Frechheit, Widerstand, Verweigerung, kein Gehorsam, besserwisserisches Benehmen, etc. hören HB Menschen sehr oft. Sie werden leider sehr oft für ihr Verhalten kritisiert. Dabei ecken sie an mit:
- ihrem starken Willen
- ihrer Ablehnung von blindem Gehorsam
- ihrer Ablehnung gegen Unterordnung
- ihrer Allergie gegen Schubladisierungen
—> Sie möchten bloss gesehen und gehört werden
—> Sie wollen, dass ihre Meinung gefragt ist
—> Sie wollen gleich wichtig sein, wie alle anderen
—> Sie wollen Selbstwirksamkeit erfahren
—> Sie wollen einen Beitrag leisten können
—> Sie wollen gefragt werden
—> Sie wollen wichtig sein
—> Sie streben nach Gleichwertigkeit und Ranggleichheit
—> Sie wünschen sich Augenhöhe = auf Augenhöhe behandelt zu werden
3. Emotionales Erleben
"hör auf zu weinen, du bist doch kein Baby mehr! Das ist doch nicht so schlimm! Jetzt reiss dich zusammen!"
—> solche Sätze hören HB Kinder oft, weil sie schneller weinen als andere. Ihr emotionales Erleben ist viel viel intensiver, als das von normalbegabten Menschen. Sie erleben sich selbst und ihre Umwelt immer und zu jeder Zeit 200%ig. (Das Klavier, das doppelt so viele Tasten hat). Alle Einflüsse, Eindrücke, etc. prasseln ungefiltert auf sie ein - und deshalb wird es schnell mal zu viel. Dies ist eine Achterbahn der Gefühle. Sie haben auch eine extrem reiche Gefühlswelt = viel reicher als bei anderen Menschen.
Abgrenzung zu psychischen Störungen
Fehldiagnosen von Psychiatern, Psychologen, vom SPD und anderen sogenannten Fachpersonen:
- Fantasie, Imagination
HB Kinder haben eine sehr reiche und lebhafte Fantasie. Oft kann sich ihre Fantasiewelt (Fiktion) mit der Realität vermischen. Sie können sich vieles gleichzeitig vorstellen = parallel. Deshalb sind sie oft wählerisch und können sich nicht sofort entscheiden.
—> Dies wird dann häufig vom Umfeld als Lügengeschichten taxiert. (sehr verletzend für das HB Kind)
—> Fachpersonen missverstehen dies sogar oft und diagnostizieren ADS und Tagträumerei
- Ängste
HB Kinder fühlen oft Ängste, weil sich die Differenz zwischen ihrem Idealselbst und der Realwelt beängstigend anfühlen kann. Dies ist lediglich der Ausdruck der Differenz zwischen Ist und Soll.
—> oft wird hier eine falsche Angstproblematik diagnostiziert.
- klassische Depression
HB Kinder denken und fühlen oft anders, sind reifer als Gleichaltrige in gewissen Bereichen, in anderen sind sie ihrem Alter entsprechend entwickelt. Diese Altersasynchronie ist normal für HB. Auch ihre existenziellen Krisen sind für HB normal. Dies gehört zu ihrer normalen Entwicklung dazu.
—> dies wird oft als klassische Depression eingestuft.
- Hypochondrie
HB Kinder haben eine sehr feine Körperwahrnehmung.
—> oft werden sie deshalb als Hypochonder klassifiziert.
- Schizophrenie
HB Kinder können sich in viele verschiedene Rollen hinein versetzen und gehen dann in der Rolle komplett auf.
—> Dies wird oft mit Schizophrenie verwechselt.
Diese Liste ist noch lange nicht abschliessend!
Das brauchen hochbegabte Menschen nicht:
- beharren auf Hierarchien, Ordnung und Struktur
- Belehrungen
- Zwänge, unsinniger Druck und Machtgehabe
- Belohnung / Bestrafung (Strafen führen dazu, dass sie sich persönlich abgelehnt fühlen „ich bin nicht OK“ und sie verstehen den Sinn einer Strafe nicht.
- Zuerst Schwächen beheben, bevor die Stärken ausgebaut werden sollen
- Angstmacherei, Drohungen, Mobbing
- Schubladisierung, Vor-Verurteilung
- Vorurteile
- altershomogene Gruppen
- Zuerst den normalen Schulstoff durchackern müssen, bevor man Hirnfutter bekommt
Das brauchen Hochbegabte:
- Verbindung zu ihren Gefühlen und Bedürfnissen
- fluide Rollen, statt Schubladen = sie haben kein „fixes Alter“ und wollen deshalb je nach Themenbereich auch entsprechend fluide behandelt werden.
- blühen auf durch Schenken und Annehmen aus intrinsischem Impuls. Schenken, bloss „weil man das so macht“ verstehen sie nicht und haben auch keine Freude daran
- Teams von Gleichbefähigten = altersdurchmischte und heterogene Gruppen
Tipps für Eltern und Lehrpersonen:
- ★Gewaltfreie Kommunikation praktizieren lernen als Sprache des Herzens
- ★Vorbild sein
- ★Langeweile ernst nehmen, denn sie ist die grösste Folter
- ★Repetitionen vermeiden, auch das ist eine grosse Folter
- ★Akzeptanz und bedingungslose Liebe
- ★Kritik an Sache knüpfen und nicht an Person
- ★wertefreie Haltung bei Fehlern (auch Trennung von Person und Sache)
- ★Vorhersehbarkeit = gut kommunizieren und alle Schritte planen, damit das Kind weiss, was auf es zukommt
- ★Raum geben für das Erfinden, Kreieren und Leben von eigenen Welten
- ★Privatzeit = dem Kind Raum geben, damit es sich zurückziehen kann, alleine und in Ruhe arbeiten kann
- ★Präsenz von mind. 10 Minuten = nehmen sie sich jeden Tag Zeit, dem Kind ihre 100%ige Aufmerksamkeit zu schenken. Wertefrei und offen. positive Aufmerksamkeit, 100% Präsenz und Zuhören
- ★Dankbarkeitsritual am Abend: jeder Tag ist einzigartig. Dankbarkeit dafür auszudrücken und sich am Abend zu überlegen, für was man dankbar sein kann, hilft, besser mit den Auf und Abs des Lebens klar zu kommen.
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- Was hat dir heute gut getan?
- Was war besonders schön?
- Was hat dich erfüllt?
- Was hat dich glücklich gemacht?
- Was ist dir gelungen?
- Was schenkst du dir heute?
- Wie fühlst du dich jetzt?
- ...
